Hamburgischer Verein für den öffentlichen Dienst
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SCHWARZES BRETT

Verein Hamburgischer Staatsbeamter r.V.  |  Gegründet 1879

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Warenautomaten

Hamburgs skurrile Automaten

Kuriositäten aus dem Kasten - sie stehen in Cafés, vor Kinos, an Plätzen, Bahnhöfen, und vor allen da, wo Leute stehen und die Zeit gerade lang und die Kauflust sehr gross ist.

Feinste Pizza in 180 Sekunden - mit diesem Angebot lockt der "Pizzomatic-Automat" die hungrigen Gäste in der Jugendherberge am Stintfang. Der Pizza-Automat ist Tiefkühltruhe, vollautomatischer Backofen und Verkaufsautomat. Nach Bezahlung wählt der Kunde mit einem Knopfdruck seine Pizza aus und in wenigen Sekunden kommt die fertig gebackene, knusprige Pizza im praktischen Karton aus dem Ausgabeschlitz.

Fahrradschläuche: Peng, da war der Reifen platt und dann zu einer Zeit, wo alle Geschäfte geschlossen sind. Mit etwas Glück steht in der Nähe ein Fahrradschlauch-Automat als Pannenhilfe. Deutschlandweit gibt es mehr als 1100 Schlauchautomaten, an denen 6 verschiedene Schlauchtypen zu haben sind. Es handelt sich um ausrangierte Zigarettenautomaten, die umfunktioniert wurden, die sich vor allem an Fachgeschäften und entlang von Radwegen befinden.

Regenschirme: Dass es immer regnen muss, wenn man keinen Schirm dabei hat! An den Regenschirmautomaten (hier S-Bahn Jungfernstieg) kann man sich für 4 Euro einen Schirm ziehen. Auch in vielen Parkhäusern erhältlich.

Rosenkränze: In Hamburg-Wandsbek gibt es in der kath. Pfarrgemeinde St. Joseph den ersten Automaten für Rosenkränze. Die "BET-Box" bietet Rosenkränze inklusive kleinen Gebetsanleitungen für vier Euro. Der gesamte Erlös kommt dem Kinder-Zeltlager der Gemeinde zugute.

Luft-Automat: Zuwenig Luft im Fahrradschlauch - keine Problem mit dem Luftautomaten an der Mönckebergstrasse.

Ansteckbutton: Riesengrosse Auswahl finden Sie an den Button-Automaten bei La Döns- Laden und Gedöns- in der Caffamacherreihe 49

Creme-Automat: Kleiner Nivea-Creme-Automat vor dem Nivea-Haus am Jungfernstieg.

"Kunst statt Dunst" verkünden die roten Buchstaben auf dem Automaten. Wer fünf Euro in die Kiste wirft, darf sich Kunst für die Wand oder für den Hals ziehen - der Automat hat Klappbilder (Leinwand auf Holz) und Anhänger im Bauch. Verschiedene Motive kann man am Museumshafen Oevelgönne aus dem Automaten ziehen.

Im Angebot der Verkaufsautomaten waren Bonbons, Schokolade, Pfefferminz, gebr. Mandeln, Zigaretten, Zigarren, Streichhölzer und vieles mehr enthalten. Zur Absatzsteigerung waren in einigen Automatenpackungen kleine Bilder hinzugefügt worden, die die Sammelleidenschaft der Kinder anregen sollte.

Die Einzelautomaten für den Verkauf, Dienstleistungen und Unterhaltung setzten sich immer mehr durch und es entstanden die ersten Automatenrestaurants. 1886 stellte Berlin auf der Internationalen Gewerbeausstellung einen "Automatenpavillion" vor. In diesem gab es vom Frischgezapften Bier (für 10 Pfennig) bis hin zum warmen Essen (bis 1 Mark) ein breites Angebot.

Bis zum ersten Weltkrieg gab es 50 Automatenrestaurants. Durch den 1. Weltkrieg verlor Deutschland seine Vormachstellung in der Entwicklung und Aufstellung von Automaten. Hinzu kam die Inflation; dies änderte sich erst 1924 als die Rentenmark stabil wurde. Anfang der 30er Jahre kamen dann die Schubladenautomaten. Der Kunde konnte jetzt die Ware sehen und auswählen.

1934 folgten die Fächerautomaten. Die erfolgreichsten waren die Zigarettenautomaten. 1935 stellte die Reichspost Briefpapier und Zündhölzerautomaten auf. In Berlin erhöhte die Stadtbahn die Zahl ihrer Fahrkartenautomaten. Auch Grossbetriebe setzten immer mehr Warenautomaten ein. 1940 wurde die Herstellung von Warenautomaten für den Inlandbereich untersagt und die Automaten verloren Ihre Aufmerksamkeit. Allein die Präservativautomaten blieben bis 1945 in Gebrauch, es diente zur Volksgesundheit.

Nach dem Krieg wurden neue technische Möglichkeiten erprobt z.B. der Kalt - und Heissgetränkeautomat, Flaschen - und Tankautomaten. Die Kühlung für verderbliche Lebensmittel wurde verbessert. Es entstand wieder ein umfangreiches Warensortiment. Für die Kalt - und Heissgetränkeautomaten lieferten bekannte Unternehmen wie Maggi und Nestle die nötigen pulverisierten Produkte.

Die 50 Jahre brachten die ersten Flaschenautomaten aus den USA nach Deutschland. Coca Cola ist zwar bereits seit 1929 bekannt in Deutschland, aber in Zuge Rationalisierungsmassnahmen in Produktionsbetrieben waren diese Automaten die neu entdeckte Betriebsverpflegung in Kantinen und Büros.

Die einzelnen Geräte wurden in Automatenanlagen kombiniert, durch verglaste Schauwände hatte man Einblick in das grosse Angebot. Weitere Neuerungen waren dreh- oder versenkbare Automatenfenster, diese wurden nach Ladenschluss z.B. in die Ladenfront geschwenkt. Hinzu kamen die Münzautomaten an Autobahnraststätten. Die heutigen Warenautomaten sind zwar zweckmässig aber lange nicht mehr so schön und originell wie damals.

(Quelle: automatengeschichte.de / Ralf Friedrich)

Seit wann gibt es Warenautomaten?
Erst seit den 80er Jahren des vorletzten Jahrtausends gibt es die Warenautomaten in Deutschland. Es war die Firma STOLLWERK, die im grossen Stil erstmals ihre Warenautomaten gefüllt mit Schokolade, Bonbons und andere leckere Sachen aufstellte. Das älteste Deutsche Patent wurde im Mai 1883 an den " Automatischen Verkaufsbehälter für Zigarren" vergeben. Nach Einwurf eines 2 Pfennig oder 10 Pfennig Stückes drehte man am Hebel und man bekam eine Zigarre.

Neben Verkaufsautomaten für alle Waren aller Art gab es bereits Konstruktionen für Schaustellungsapparate, Elektrisierer, Kraftmesser und Wagen. In München gab es eine Reihe von Münzwagen und in Hannover erregte ein Schokoladenautomat "aufgestellt im dortigen Zoo" die Aufmerksamkeit.

Zuerst gab es Wand- oder Thekenautomaten zum automatischen Verkauf, dann auch Standautomaten. Im Jahre 1889 waren in Hamburg auf der Gewerbe- und Industrie Ausstellung in einem Automatenpavillion 17 verschiedene "Warenverkäufer" zu sehen. Diese boten den Besuchern den Kauf von Blumenduft, Eau de Cologne, Schokolade, Bonbons und vieles mehr. Veranstaltungen wie Gewerbe - Ausstellungen und Fachmessen brachten die nötige Publizität und waren geeignet, ein breites Publikum mit den Erfindungen vertraut zu machen. Ähnliches gab es dann 1891 in Frankfurt.

Autor: VHSt
Fotos: Fotos: Severin

HBZ · 03/2015
 
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