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Gaming für Senioren

Fit im Alter

Laut des Statistikportals Statista haben 40 Prozent der Deutschen "Gaming" zum Hobby - das Spielen von Video-, Computer- und Onlinespielen. Gaming interessiert dabei nicht nur Kinder und Jugendliche; auch die "älteren Generationen" sind immer mehr im Spielefieber. Moderne Senioren möchten bei den Themen ihrer Kinder und Enkel mitreden und zeigen wenig Interesse an Bingoabenden oder Kreuzworträtseln, sind aber für allzu sportliche Unternehmungen oft nicht mehr fit genug.

Gaming fördert die geistigen Kompetenzen

Wissenschaftler der Columbia University in den USA fanden heraus, dass Gaming die geistigen Fähigkeiten verdoppeln kann, wenn es schon im Grundschulalter betrieben wird. Außerdem wird die allgemeine Aufnahmefähigkeit gesteigert - egal in welchem Alter. Das ist allerdings kein Freibrief für ständiges "Zocken" (umgangssprachlich für Spielen). Der positive Effekt ergibt sich nämlich nur bei einer zeitlichen Beschränkung von rund einer Stunde täglich.

»Alles, was Spaß macht, hält jung«
Curd Jürgens (1915-1982)

In Norwegen wurde das Gaming Mitte 2016 sogar zu einem Wahlpflichtfach gemacht. Im sogenannten "E-Sport" können die Schüler in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten. Dabei lernen sie Taktikverständnis und das Formen von Strategien.

Demenz spielerisch behandeln - die MemoreBox

Das Unternehmen "RetroBrain R&D", eine Ausgründung der Humboldt-Universität zu Berlin, entwickelte die "Memore-Box". Dabei handelt es sich um eine Konsole mit seniorengerechten Spielen, mit der eine "Gamification-Therapie und -Prävention" angeboten werden kann. Laut RetroBrain ist damit eine Art spielerische Therapie und Prävention von alterstypischen Krankheitsbildern, wie Demenz, Parkinson und Schlaganfall, gemeint. Der Software- und Hardwarehersteller Microsoft bietet dazu die passende Kinect-Technologie an, durch die Videospiele mithilfe von Bewegungen gesteuert werden können.

Alles in einem soll die "MemoreBox" Therapie und Spaß für Senioren und Menschen mit Demenz auf spielerische Art und Weise vereinen. Wer fernab der üblichen Therapieansätze mit Spaß an seine täglichen Übungen geht - die oft mehr frustrieren als ermutigen -, fühlt sich weniger krank und fremdbestimmt und wird ganz nebenbei geistig fitter. Die Teilnehmer werden in einer Art "Rollenspiel" in das Spielangebot der MemoreBox einbezogen. Dazu gehört beispielsweise ein Motorradspiel, das Gleichgewicht und Standfestigkeit trainiert. In dem Spiel wird durch das Verlagern des Gewichts das Motorrad gesteuert, Hindernissen ausgewichen und es werden sogenannte "Booster" gesammelt.

Das Gehirn von Demenzkranken wird auf zweierlei Arten aktiviert: Stimulation und soziale Interaktion. "Dadurch,” so Manouchehr Shamsrizi, Gründer von RetroBrain, "wird erreicht, dass sich neue Synapsen im Gehirn bilden. Dies wirkt sich positiv auf die Demenz bzw. deren Begleiterscheinungen aus”. Hinzu kommt, dass sich die Multitaskingfähigkeit verbessert und sich das Spielen mit der MemoreBox positiv auf das Zusammenleben in Seniorenresidenzen sowie auf Besuche von Enkeln auswirkt. Schöne gemeinsame Momente verbinden und lassen das Gegenüber auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen.

"Unsere Unternehmung würde man neudeutsch als 'Social Business' bezeichnen, ein Begriff, der auf den Ökonom und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurückgeführt werden kann. In diesem Sinne ist für uns das Unternehmerische ein Vehikel, um eine soziale Innovation wie unsere möglichst breitflächig und nachhaltig zur Verfügung zu stellen. Zu den Stakeholdern, die uns dabei helfen, genau das zu erreichen, gehören natürlich insbesondere auch die gesetzlichen Krankenkassen. Der Türöffner in ihre Welt war für uns das Präventionsgesetz, das seit Sommer 2015 wirkt, und dessen erste Umsetzung wir gemeinsam mit der BARMER und der Diakonie haben anstoßen können. Damit ist unser Projekt auch ein Vorhaben, das als Pilotprojekt in der digitalen Transformation der öffentlichen Trägerschaft gelten kann, wie kommunale Einrichtungen der Pflege oder Stiftungen des öffentlichen Rechts", erläutert Shamsrizi.

"MemoreBox" noch in der Testphase

Das Ziel ist es, die MemoreBox in noch mehr Alten- und Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen anzubieten. Aktuell lässt die Barmer Ersatzkasse die MemoreBox in zahlreichen Einrichtungen testen. Ermöglicht wird das Ganze durch das Präventionsgesetz, das die Förderung von Maßnahmen unterstützt, welche die Gesundheitsförderung in Lebenswelten stärken. Entsprechend werden die Ergebnisse, die beispielsweise in Hamburg gesammelt werden, von Prof. Dr. Wahl von der Humboldt- Universität zu Berlin und seinem Team des Projekts "Maßnahmen für Rehabilitationswissenschaften" innerhalb einer begleitenden Studie ausgewertet.

In einem Interview verriet Prof. Dr. Wahl bereits, dass erste Ergebnisse positiv zu bewerten sind. Da die Bewohner miteinander spielen und sich über die Spiele unterhalten, konnten sich bereits Verbesserungen der geistigen Leistungsfähigkeit und Kommunikation zeigen. Die Idee der MemoreBox wird auch von den Senioren gut aufgenommen, weil sie ihre eigenen Ideen einbringen können, die von RetroBrain R&D in Form von Spielen umgesetzt werden.

Quellen: Barmer Ersatzkasse, Humbold-Universität zu
Berlin, RetroBrain R&D UG


Autor: VHSt
Fotos: RetroBrain R&D UG

HBZ · 09/2018
 
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