VHSt - Hamburgischer Verein für den öffentlichen Dienst
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Hamburgischer Verein für den öffentlichen Dienst

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Nordfriesische Perle im Gezeitenstrom

Die Insel Sylt

Die größte deutsche Nordseeinsel gilt als Feriendomizil der Reichen und Schönen. Doch auch neben Schickeria, Champagner und Kaviar hat Sylt viel zu bieten.

Die Insel Sylt
Mit langen und sauberen Sandstränden, traumhafter Dünung und Kurorten auf der einen, lebendigem Nachtleben, zahlreichen Galerien, gehobener Gastronomie und vielen Veranstaltungen auf der anderen Seite, hält die fast 100 Quadratkilometer große Insel für jeden etwas bereit. Das macht Sylt zu einem der Lieblingsorte von Hamburgern auf Stadtflucht.

Umkämpftes Eiland


Lange Zeit dem Königreich Dänemark zugehörig, waren Sylt und das umliegende Territorium immer wieder historischer Zankapfel und Schauplatz militärischer Scharmützel. Erst nach dem dänisch-deutschen Krieg von 1866 fiel die Insel vollends in den Besitz Preußens und damit wenig später an das Deutsche Reich. Zu dieser Zeit begann sich auch erstmals der Tourismus zu entwickeln. Die Fremdenverkehrsgäste kamen mit dem Schiff von Tondern oder mit Dampfern aus Hamburg. Doch die Anreise war beschwerlich. Das änderte sich im Jahr 1927, als der 11 Kilometer lange Hindenburgdamm eröffnet wurde. Dieser ist seitdem die stetige Festlandanbindung und bringt Gäste und Pendler per Autozug auf die Insel.

Von Zipfeln und Ellenbogen


Das Seebad List ist Deutschlands nördlichste Gemeinde. Am Rand der Republik zu liegen ist eine Tatsache, die verbindet, und so gründeten die in den äußersten Winkeln Deutschlands angesiedelten Orte Ende der 90er-Jahre den sogenannten Zipfelbund. Das war eine eher den Tourismus fördernde Aktion, doch auch für die Anwohner gibt es nette Anreize und Attraktionen, wie den Zipfelpass oder regionale Überraschungspakete.

Ganz im typisch friesischen Flair hat sich auch List dem Fremdenverkehr verschrieben. Vom Hafen besteht eine Fährverbindung zur dänischen Insel Röm. Neben eigener Kurverwaltung und vielfältigen Urlaubsunterkünften ist hier auch die Wattenmeerstation Sylt beheimatet. In der Hafenstraße lässt sich die Ausstellung "Naturgewalten Sylt" hautnah erleben. Neben der umfangreichen Dokumentation, die für Besucher jedes Alters ein beeindruckendes Erlebnis ist, gibt es naturkundliche Führungen und viel Wissenswertes rund um die Faszination des Wattenmeeres.

Spitzensport auf hohen Wellen


Sportlich und maritim geht es auch noch ein Stück weiter nördlich zu. Der Strandbereich der sichelartig gebogenen Landzunge, genannt Ellenbogen, ist umgeben von zwei Leuchttürmen und gilt als Mekka des Surf- und Kitesports. In diesem Jahr wird der frische Sylter Wind wieder zwei sportliche Höhepunkte antreiben und hunderttausende Besucher auf die Insel locken. Beim "Multivan Surf Cup Sylt", der vom 23. bis 28. Juli stattfindet, kämpfen die Teilnehmer auf nationaler Ebene um die Platzierungen. Vor der Promenade des Hauptortes Westerland und etwas südlich, am Brandenburger Strand, geht es in verschiedenen Disziplinen um die Deutschen Meisterschaften. Ein international erlesenes Teilnehmerfeld tritt dann vom 27. September bis 6. Oktober beim "Mercedes-Benz Windsurf World Cup Sylt" an. Bei der größten Surfveranstaltung der Welt, mit gigantischem Rahmenprogramm und Partyvergnügen, geht es dann an gleicher Stelle um Weltmeisterehren und hoch dotierte Preisgelder.

Die Insel Sylt

Moderne trifft Bädercharme


Nicht nur während der sportlichen Events ist der Hauptort Westerland Dreh- und Angelpunkt der Insel. In einer einzigartigen Verbindung von historischer Bädertradition und modernem Erlebnistourismus bietet Westerland für nahezu jeden Geschmack entsprechende Angebote. Westerland, das ist Sylter Lebenslust. Als Kurzentrum bietet der Ort gerade in der Saison jede Menge Annehmlichkeiten und Attraktionen, aber auch Ruhe und Entspannung. Egal ob Wellness im "Syltness Center", Badespaß im Nordsee-Erlebnisbad "Sylter Welle" oder Fitness im "Sportcenter", das Angebot ist groß. Auf Spurensuche historischer Wurzeln zeigt sich beispielsweise die eher mondäne Welt der früheren Bäderromantik in der Betrachtung des alten Kurhauses. Das imposante Bauwerk vom Ende des 19. Jahrhunderts strahlt heute im neuen Glanz, ist Rathaus, Sitz der Gemeindeverwaltung und des Casinos. Der angrenzende alte Kursaal versprüht immer noch einen unvergleichbaren Charme und ist jedes Jahr Austragungsort für verschiedene Konzerte oder Theateraufführungen.

Kuscheln mit Rochen


Ein weiteres beliebtes Besucherhighlight am Strand von Westerland ist das "Sylt-Aquarium". Der atemberaubende Rundgang, zum Teil unter Wasser liegend, zeigt die Biosphäre der Nordsee und die Artenvielfalt der Tropen. Wenn die Rochen gute Laune haben, lassen sie sich sogar streicheln. Ein Abenteuer für die ganze Familie; wobei die Kinder auch im Abenteuerland mit Hüpfburg, Spielplatz, Trampolin und Minigolf ihren Spaß haben werden. Ordentlich Platz zum Toben und Spielen bietet auch die "Villa Kunterbunt" direkt am Hauptstrand. Nach Attraktion, Sonne und Strand darf natürlich das leibliche Wohl nicht vergessen werden. Westerland bietet alle kulinarischen Facetten, etliche Restaurants und Gastronomiebetriebe, Bars und Cafés.

Zwischen Meereszeichen und Dünenlandschaft


Etwas beschaulicher als im Hauptort geht es zwischen den Gemeinden Wenningstedt und Kampen zu. An der dortigen rund 30 Meter hohen Steilküste des "roten Kliffs" werden Feuersteine und Granite von der See aus dem Fels gewaschen. Dieser außergewöhnliche Strandabschnitt führt in Richtung Norden zur höchsten Erhebung der Insel: In fantastischer Naturlandschaft ragt die etwa 52 Meter hohe "Uwe-Düne" aus der für die Region typischen Vegetation heraus. Sie ist ein idealer Aussichtspunkt, um den Blick über das Meer schweifen zu lassen. Daneben, inmitten der Dünen, steht der Leuchtturm von Kampen, das "Quermarkenfeuer Rotes Kliff".

Sylt-Aquarium


Gaadt 33, 25980 Westerland/Sylt
Telefon (04651) 836 25 22
www.syltaquarium.de

Öffnungszeiten:
täglich, 10 bis 17 Uhr

Eintrittspreise:
13,50 Euro, Kinder bis 15 Jahre 10 Euro

Sylt Museen:
Telefon (04651) 316 69
www.soelring-museen.de

Denghoog


An der Friesenkapelle
25996 Wenningstedt/Sylt

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Mo. bis Fr. 10 bis 17 Uhr, Sa., So. und Feiertag 11 bis 17 Uhr

Sylt Museum


Am Kliff 19
25980 Keitum/Sylt

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Mo. bis Fr. 10 bis 17 Uhr
November bis März: Do. bis So. 11 bis 15 Uhr

Eintrittspreise:
8 Euro, Kinder bis 14 Jahre 2,50 Euro

Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt


Hafenstraße 37
25992 List/Sylt
Telefon (04651) 83 61 90
www.naturgewalten-sylt.de

Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr (Juli und August bis 19 Uhr)

Eintrittspreise:
14,50 Euro, ermäßigt 11,50 Euro, Kinder bis 15 Jahre 9 Euro


Die Insel Sylt

Mystisches Erbe der Jungsteinzeit


Zurück in Wenningstedt, in der Nähe des Golfplatzes, lohnt ein Besuch des jungsteinzeitlichen Hünengrabes Denghoog, eines der best erhaltenen Großsteingräber der Welt. Im Verbund der kulturhistorischen Sörling-Museen Sylt bietet es einen atemberaubenden unterirdischen Einblick in die uralte, mystische Geschichte. Denghoog ist aufgrund seiner Größe das bedeutendste Großsteingrab Schleswig Holsteins und vermutlich schon mehr als 5.000 Jahre alt. Die deutsche Übersetzung für Denghoog - ein Wort, das aus dem Sölring stammt, einer Sprache, die auch als "Sylter Friesisch" bezeichnet wird - lautet "Thinghügel". Thing war die Bezeichnung der Volksversammlung der germanischen Völker. Funde legen nahe, dass Denghoog nicht nur eine Begräbnisstätte war, sondern auch für Zeremonien und sogar Hinrichtungen genutzt wurde. Die unterirdische Kammer wird von Findlingen aus der Eiszeit dominiert, von denen jeder einzelne bis zu 18 Tonnen wiegt. Insgesamt sind es zwölf Tragsteine, drei Decksteine, zwölf Randsteine und zwei Türsteine im Gang. All dies und einige Sylter Legenden erfährt man vom Guide des Heimatmuseums, einem echten friesischen Urgestein. Wer Denghoog besuchen möchte, sollte dies bald tun, da die Anlage derzeit von Neubauplänen bedroht wird, die, wenn sie umgesetzt werden, das Monument zum Einsturz bringen könnten.

Geschichte und Geschichten


Auf der Insel gibt es noch weitere wissenswerte Orte. Der Naturpfad "Vogelkoje" in Kampen ist heute Naturschutzgebiet und macht mit Führungen sowie Lehrpfad Lust auf Natur. Der abschließende Blick von Deich belohnt mit sensationeller Aussicht. In der Ortschaft Keitum steht das alte friesische Haus von 1640. Das Kapitänshaus im Watt entführt in die ursprüngliche Wohnkultur der Inselbewohner und offenbart einen Einblick für Neugierige. Noch mehr volkskundliche Geschichte und Inselwissen präsentiert sich im Sylt Museum, ebenfalls in Keitum. Lebendige, jahrhundertealte Kunst, Sprache oder Alltagsgeschehnisse der Insel und ihrer Bewohner schaffen bereichernde Eindrücke. Ergänzt wird die Museumsausstellung durch wechselnde Vorträge und Veranstaltungen sowie Sonderpräsentationen.

Verwöhnte Kegelrobben und Sterneküche


Auf dem Weg zum Südteil der Insel durchkreuzt der Besucher das Örtchen Rantum. Hier lohnt ein Halt bei der Reetdach-Kirche St. Peter. Die kleine Kapelle mit nebenbestehendem hölzernem Glockengestell ist die einzige Kirche auf der Insel, die mit dem regionaltypischen Reet eingedeckt ist. Die Hauptstraße weiter nach Süden hinunter befindet sich inmitten der Dünen das landesweit bekannte Kultlokal "Sansibar". Ob zu Kaviar oder Currywurst, hier ist schon fast jeder Syltbesucher irgendwann einmal eingekehrt. An der Südspitze der Insel liegt schließlich die Gemeinde Hörnum. Der frühere Fischerort ist heute ein beliebtes Touristenziel. An West- und Ostseite der Ortschaft verlaufen die wunderschönen Badestrände. Das Wahrzeichen, der Hörnumer Leuchtturm, ist begehbar und liefert per Live-Webcam die schönsten Bilder von der Insel. Der Hafen ist Station eines Seenotrettungskreuzers und hält noch eine weitere beliebte Attraktion bereit: Hin und wieder besucht Kegelrobbe Willi, eigentlich ein Weibchen, das Becken und lässt sich füttern - am liebsten mit Heringen.

Eine anschließende Stärkung gibt es in vielen Lokalen, beispielsweise im originell-authentischen "Gosch - Alte Bootshalle und Fischbude", mit charakteristischen regionalen Produkten und typisch maritimem Flair. Weitere Tipps sind das Restaurant "Söl'ring Hof" sowie das "Fährhaus". Im "Söl'ring Hof" im Ortsteil Rantum schwingt der Zwei-Sterne-Michelinkoch Johannes King seinen Kochlöffel und kreiert regionale Köstlichkeiten. Die Spezialität des bekannten Zwei-Sterne-Chefkochs Alexandro Papes im noblen Restaurant "Fährhaus" in Sylt-Ost sind feine Gänge-Menüs. Freunde des edlen Tropfens heben bei einem Besuch auch den sehr exquisiten Weinkeller hervor. Dazu passt das vom 9. bis 14. Juli stattfindende Westerländer Winzerfest. Auf der Promenade mit viel Live-Musik und Rahmenprogramm lassen sich die köstlichsten Weine aus deutschem Anbau verköstigen.

Bildergalerie


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Autor: VHSt

Fotos: Samira Aikas, Insel Sylt Tourismus-Service GmbH © Roman Matejov, Andreas Birresborn, © Frank Jakobi

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HBZ · 06/2019

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