Kurort Bad Frankenhausen
Deutschlands schiefer Turm
Zwischen Göttingen und Leipzig liegt an den Ausläufern des Südharzes der Kur- und Erholungsort Bad Frankenhausen.
Prähistorische Kultstätte mit Heilkräften
Die rund 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt gehört zum thüringischen Kyffhäuserkreis und hält für Besucher allerlei Sehenswertes bereit. Die Siedlungswurzeln des charmanten Städtchens am Südhang des Mittelgebirges reichen etwa 10.000 Jahre zurück, da die Region bereits in der Jungsteinzeit eine markante Kultstätte war. Erste urkundliche Erwähnungen der Ortschaft Frankenhausen fanden sich in den Archiven des Benediktinerklosters Fulda. Dort wurde die Kleinstadt als fränkische Siedlung im 9. Jahrhundert benannt, die im Südosten durch eine Wasserburg geschützt war.
Im Jahre 1282 erhielt die Ortschaft das Stadtrecht. Fast 250 Jahre später war sie Schauplatz eines furchtbaren Gemetzels: Auf dem Weißen Berg am nördlichen Stadtrand fand eine der letzten großen Auseinandersetzungen des Deutschen Bauernkrieges statt. Der Weg hinauf zum Hügel wird noch heute "Blutrinne" genannt. An dieser Stelle wurden die aufständischen Bauern um den Reformationstheologen Thomas Müntzer vollständig besiegt und hatten über 6.000 Tote zu beklagen. Heute erinnert das Panorama-Museum Bad Frankenhausen an die Ereignisse auf dem "Schlachtberg". Nach diesem düsteren historischen Kapitel fiel Frankenhausen schließlich unter den Herrschaftsbereich des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Eine geografische Besonderheit hatte den Ort allerdings schon Hunderte Jahre vorher ausgezeichnet: die schon zu Zeiten der Siedlungsgründung für Heilzwecke genutzte Solquelle.
Das deutsche Pisa
Neben den alten Stadtbefestigungen aus dem 13. Jahrhundert, dem mittelalterlichen Hausmannsturm und dem Schloss Frankenhausen ist die Stadt für den schiefsten und höchsten Kirchturm der Welt bekannt. Der sich neigende, das Stadtbild dominierende Turm der Frankenhauser Oberkirche ragt mittlerweile mehr als 4,5 Meter aus dem Lot, wobei der Turmschaft eine Neigung von 5,42° aufweist.
Der Bau der Oberkirche reicht zurück in das 14. Jahrhundert. Schon damals bestand eine geologische Störung in Form einer rinnenförmigen Senke im Hangbereich. Im Jahr 1908 ereignete sich ein Tagbruch mit einem Erdfall als Folge. Mit diesem Ereignis begann eine rasche Schrägstellung der Kirche. Ein Umstand, der den Bad Frankenhausenern heute recht gut zu Gesicht steht, denn sowohl die Einheimischen des Kurortes als auch die Gäste aus der ganzen Welt sind fasziniert von dem schrägen Bauwerk.
Die Stadt, ihre Einwohner und ein Förderverein hatten sich in den vergangenen Jahren sehr für die Erhaltung des schiefen Turmes engagiert. Bereits in der Vergangenheit waren immer wieder Baumaßnahmen zur Rettung unternommen worden. Im Jahr 2015 begannen die neuen Sanierungen im Inneren mit nachjustierbaren Stahlstützen, im Folgejahr wurde das äußere Mauerwerk und 2018 schließlich der Turmkopf saniert. Heute erstrahlt der schiefe Turm wieder gerüstfrei in vollem Glanz und bringt Besucher zum Staunen.
Kur- und Erholungszentrum
Neben den romantischen Gassen und naturnahen Schönheiten der Mittelgebirgslandschaft steht die Kleinstadt seit jeher für innovative Heilmethoden. Bereits im Jahr 1799 eröffnete hier ein erstes Krankenhaus, dem im Jahr 1818 das erste große Kurhaus folgte. Die heilsamen Salze der Solquelle waren auch ein überzeugendes Argument dafür, dass der Ort seit dem Jahr 1927 die offizielle Bezeichnung "Bad Frankenhausen (Kyffhäuser)" führen darf.
Heute steht die Stadt vor allem für individuelle und kreative Erholungsmöglichkeiten, die besonders bei Kurgästen, Senioren und anderen Reisenden beliebt sind. Eine davon ist das weltweit erste biologisch gereinigte Salzwassertherapiebecken: der neue Solewasser-Vitalpark. Neben den zahlreichen gesundheitlichen Einrichtungen des Kurzentrums bietet Bad Frankenhausen ein breites Spektrum zur Freizeitgestaltung und Aktivität. Sie sehen, Bad Frankenhausen ist nicht nur wegen des schiefen Turms einen Besuch wert.
Autor: VHSt
Fotos: Bernd Ricanek
HBZ · 07/2020
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