Institution in der Rathausstraße
20 Jahre Café Paris
Gegenüber unserem VHSt-Vereinsbüro, in der Rathausstraße 4, findet sich ein authentisches Stück Frankreich.
Neben dem typischen Flair eines Pariser Kaffeehauses bietet das ganz im Zeichen des Jugendstils etablierte Gebäudeensemble mit Blick auf das Rathaus nämlich eine hervorragende Restaurantküche. "Noblesse oblige" könnte man meinen, doch der Gastronomiebetrieb überrascht mit einer enormen kulinarischen Bandbreite und erstklassigen Weinen. Der Fokus liegt auf Beständigkeit, zuvorkommendem Service nach Art der alten Schule und der Verbindung von historischem Ambiente mit Gaumenfreuden.
Der Tradition verpflichtet
Der Standort des Café Paris war gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine beliebte Schlachterei. Nach vielen geschichtlichen Turbulenzen dauerte es bis zum Jahr 2000, als der Gastronom Rainer Wendt zusammen mit dem Chefkoch Michael Hermes und dem Bretonen Thomas Pinçon als Leiter des Restaurants ein Stück französische Kultur an die Alster brachte. Die stilvolle Einrichtung gepaart mit den allgegenwärtigen Elementen aus der Epoche des Jugendstils verkörpert Detailreichtum und lässt an vielen Stellen noch den ursprünglichen Charakter erkennen. Der Hamburger Unternehmer Holger Sturm übernahm 2018 Wendts Anteile am Unternehmen, als dieser nach Berlin zog und Pinçon wenig später sein eigenes Restaurant eröffnete. Gemeinsam mit Hermes als Küchenchef führt Sturm als Geschäftsführer das Café Paris ganz traditionell fort.
Pariser Charme
Der große Saal zeigt, wie sich eine Räumlichkeit, die vorher einen völlig anderen Nutzungscharakter hatte, in ein neues Konzept integrieren lassen kann. Wände und Decken der in einer Rundbogenform gewölbten Halle offenbaren noch die hellen Fliesen aus der Gründerzeit. Alte Deckengemälde zieren die in der Mitte wie eine optische Kuppel erscheinende Ausnehmung und andere Bereiche. Im klassischen Jugendstil als typisch Pariser Bistro erscheint der Saal wahrlich beeindruckend und bietet Platz für über 150 Personen.
Ungezwungen und ruhig
Der Salon rechts neben dem Eingangsbereich ist dagegen eher zeitlos gehalten. Gemütliche Sofas und das schlicht gehaltene Ambiente bieten bis zu 24 Personen Raum für zwanglose Essen oder geschlossene Gesellschaften.
Speisen und Tanzen
Im ersten Stockwerk, erreichbar über eine Treppe im Salon, erwartet die großzügig bemessene Bel Étage die Gäste. Viele traditionelle Einrichtungselemente, die eine dezente Gemütlichkeit verbreiten, bieten Platz für rund 85 Personen. Absolute Highlights sind die bunte, beleuchtete Glaswand als Blickfang und der exklusive Barbereich. Die Bel Étage verfügt über eine Tanzfläche und wird daher gern für Feierlichkeiten gebucht.
Die Bel Étage ist auch ein gern gesehener, ungezwungener Treffpunkt von Politikern und Abgeordneten aus dem nahe gelegenen Rathaus für Begegnungen mit Journalisten und Vertretern von Organisationen.
Industriedesign
Ganz oben in der zweiten Etage befindet sich das L'Atelier, das man über einen separaten Eingang durch das Treppenhaus, links neben dem Café Paris, per Treppe oder Fahrstuhl erreicht. Hier setzt man auf moderne Akzente, die das komplexe industrielle Design fortführen. Die langen Tische bieten rund 40 Personen Platz und eignen sich ausgezeichnet für Geschäftsessen, Tagungen oder auch Hochzeitsgesellschaften. Normalerweise gibt es hier freitags immer eine Kantine mit zwei Mittagstischen zur Wahl. Gäste kaufen sich Wertmarken; zehn Marken kosten 13,50 Euro. Pro Marke gibt es ein Mittagsgericht und Softdrinks so viel man mag. Vor der Corona-Krise plante Sturm, die Kantine auch an anderen Wochentagen anzubieten. Diese Pläne liegen nun erst einmal auf Eis.
Tages- und Jahreszeiten zum Speisen und Trinken
Viele Gäste kommen, um hier ein original Pariser Frühstück zu genießen, andere wegen des Mittagstischs, der erlesenen Weine oder eines Barbesuchs. Manche Gäste besuchen das Café Paris nur wegen der Kaffeespezialitäten und der selbst gebackenen Macarons, Tartes oder anderen Leckereien der hauseigenen Konditorinnen. Gäste, die zur abendlichen Haute Cuisine erscheinen, haben die Qual der Wahl zwischen bretonischen Klassikern wie der Fischsuppe und vielen anderen Kreationen mit ihren fantastischen Soßen und süßen Desserts wie der Crème brûlée.
Jubiläum im Pandemiejahr
Die Corona-Pandemie zwang Holger Sturm nun schon zum dritten Mal zu einer Schließung. Nach dem ersten Lockdown erkrankte ein Mitarbeiter an Corona, was zu einer weiteren temporären elftägigen Schließung führte. Nun sind zunächst bis Ende November die Tore des Café Paris im zweiten Lockdown wieder geschlossen. Das 20. Jubiläum hatte man sich hier völlig anders vorgestellt. Zur Zeit unseres Redaktionsschlusses war noch nicht klar, ob die Hamburger Gaststätten im Dezember wieder öffnen dürfen. Wir hoffen das Beste.
Autor: VHSt
Fotos: Samira Aikas
HBZ · 12/2020
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