Hamburgs Partnerstädte
Windige Metropole Chicago
Schon immer hatte Hamburg als Tor zur Welt gute Verbindungen zur Neuen Welt und damit zum nordamerikanischen Kontinent.
Lebendiger Austausch zwischen den Bürgern
Obwohl beide Städte im Binnenland liegen, sind sie geprägt durch ihre Gewässer und zeichnen sich durch ihre wirtschaftliche sowie kulturelle Zentralstellung in ihrer Region aus. Blickt man zurück auf die Historie, finden sich weitere Parallelen, die für das heutige Erscheinungsbild der beiden Städte verantwortlich sind: In Hamburg verwüstete der große Brand des Jahres 1842 weite Teile der Altstadt und auch in Chicago wütete im Jahr 1871 ein vernichtendes Feuer, das nahezu das gesamte Zentrum zerstörte. In Chicago, das als Portal zum Wilden Westen der USA galt, wurden fast 100.000 Menschen obdachlos, doch wie in Hamburg begannen die Menschen, angetrieben von charakterstarken Persönlichkeiten, die Ärmel hochzukrempeln und eine neue, der Zukunft zugewandte Metropole zu errichten, die sich den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Industrialisierung stellen konnte.
Initiative der Stadtverantwortlichen
Die gemeinsame Städtepartnerschaftserklärung war größtenteils der kontinuierlichen Initiative des damaligen Ersten Hamburger Bürgermeisters Henning Voscherau und seines US-amerikanischen Amtskollegen Richard Michael Daley zu verdanken. Die Hansestadt pflegt traditionell viele Kooperationen mit Institutionen, Vereinigungen und Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Zwei Beispiele neben vielen weiteren Verbindungen sind die ständige Vertretung des US-Generalkonsulats in Hamburg sowie das frühere Amerika-Haus, das mehr für die Zusammenarbeit im kulturellen und zwischenmenschlichen Rahmen verantwortlich war und später durch das neue Amerikazentrum Hamburg e. V. ersetzt wurde. Neben der dauerhaften freundschaftlichen Entwicklung ging es den Stadtverantwortlichen besonders um eine Beziehung zum dauerhaften Nutzen, bei der die Erweiterung und Förderung von gegenseitigen Kultur- , Handels- und Wirtschaftsbelangen im Vordergrund standen.
In der von den beiden Bürgermeistern am 20. Juli 1994 unterzeichneten Städtepartnerschaftsvereinbarung ging es außerdem um das kontinuierliche Wachstum des Wohlstandes der Bevölkerung und den umfassenden Austausch in Technologie, Wissenschaft, Bildung, Gesundheit oder auch Sport. Aufgegriffen wurde der Vorschlag einer städtepartnerschaftlichen Zusammenarbeit vor allem von der US-Seite, denn bereits Ende der 1950er-Jahre hatte Chicago eine erste Anfrage an die Hansestadt gerichtet, die im Jahr der deutschen Wiedervereinigung von Bürgermeister Daley wieder aufgegriffen wurde. Hamburgs Erster Bürgermeister Voscherau folgte der Einladung seines Kollegen und besuchte die Metropole am Michigansee. Schnell erkannte man die vielen Gemeinsamkeiten, diskutierte über diverse Themen wie eine funktionelle, bürgernahe Stadtverwaltung, Verbrechensbekämpfung, Umweltschutz oder das Gesundheits- und Sozialwesen in Großstädten.
"The Windy City" als wesentlicher Faktor für die USA
Das in vielen Filmen dargestellte Bild Chicagos als von der mafiösen Unterwelt geprägte Gangstermetropole Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die im Volksmund "Windy City" genannte Großstadt zum Zeitpunkt der Partnerschaftsgespräche längst abgelegt. Der Erste Bürgermeister Hamburgs setzte auch in diesem Punkt ein Zeichen und sprach seinerzeit davon, dass die Kenntnis von Lebensweise und Sprache ein lebenslanges Verständnis begründe. Die Verbindung zwischen den Menschen sei es, was eine Städtepartnerschaft so besonders mache, und nicht das Papier, auf dem diese verankert werde. Da Chicago schon bei der Gründung im Jahr 1833 viele Spuren deutscher Einwanderer aufwies und diese historischen Wurzeln bis heute sichtbar sind, konnten vielleicht auch die gemeinsamen Bestrebungen im Laufe der nachfolgenden Jahre besonders fruchten. Für besondere Interessenvertretungen wurde das Hamburg-Chicago-Komitee gegründet, das zumeist aus privaten Mitteln diverse gemeinsame Projekte fördert und sich noch heute im größeren Rahmen zum alljährlichen Spendendinner trifft.
Heute beherbergt Chicago rund drei Millionen Einwohner. In der Metropolregion rund um die Großstadt des Cook und DuPage Countys sind es nahezu zehn Millionen Menschen. Die drittgrößte Stadt der USA hat eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Vereinigten Staaten: Mit einem Leistungsvolumen von etwa 660 Milliarden Dollar pro Jahr ist sie ein gigantischer Handelsmotor.
Highlights in jedem Viertel
Im Jahr 2018, vier Jahre nach dem 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft, reiste auch der neue Erste Bürgermeister Hamburgs, Dr. Peter Tschentscher, zum Chicago-Forum on Global Cities an die Ufer des Lake Michigan. Wie viele Besucher war auch er beeindruckt von der bemerkenswerten Architektur, den vielen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten Jedes der 77 Viertel der Stadt hat einen ganz eigenen Charakter - wie in Hamburg. In Enklaven wie Chinatown, Little Italy, Avondale, Andersonville, Pilsen oder Lincoln Square wird das multikulturelle Erbe der Stadt gepflegt, die von deutschen und polnischen Einwanderern ebenso geprägt wurde wie von mexikanischen und chinesischen.
Auch in Chicago, das wie alle US-amerikanischen Metropolen von der Corona-Pandemie sehr hart getroffen wurde, ist das öffentliche Leben zu großen Teilen zum Stillstand gekommen und Chicagos Bürger warten sehnlichst auf einen Impfstoff.
Bildergalerie
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Autor: VHSt
Quellen: Senatskanzlei-Staatsamt Hamburg, Amerikazentrum e. V. Hamburg, "Beyond History"-Blog, Hamburg.de, Choosechicago.com, Visittheusa.de
Fotos: Pixabay.com: Chicago/Tag © Free-Photos, Chicago/Nacht © Pexels; Brücke © Charlottees, Kino © Jürgen Polle, Musiker © Victoria Borodinova, Abrisshaus © Rick Lobes, Riesenrad © Quinn Kampschroer, Ringlokschuppen u. Botanischer Garten © David Mark, Springbrunnen © Manfred Reinert
HBZ · 01/2021
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