Hamburgs Partnerstädte
Shanghai - Chinas Tor nach Europa
Im letzten Teil der Serie über Hamburgs Partnerstädte stellen wir Ihnen die städtepartnerschaftliche Verbindung Hamburgs mit der ostchinesischen Industrie- und Hafenmetropole Shanghai vor, die eine logische Konsequenz der historischen Handelsrouten der beiden Städte war.
Das andere China
Blickt man heute auf das facettenreiche Shanghai, so ist es schwer zu glauben, dass sich hier einst nur ein kleines Fischerdorf befand. Die herausragende geografische Lage inmitten der östlichen Küstenlinie des Reichs der Mitte, direkt an den Mündungsufern des mächtigen Jangtse-Flusses und einem im Laufe der Zeit immer weiter ausgebauten Netzwerk aus Binnenwasserstraßen, bescherte großen Wohlstand. Shanghai, kurz nur "Hu" genannt, profitierte schon früh von einem fruchtbaren Umland und gilt als Geburtsort des modernen Chinas, das dem Mutterland in der Entwicklung immer einen Schritt voraus schien. Dieses "andere" China ist der Motor des Riesenreiches, steht für Innovationen, globale Finanzgeschicke und Warentransfer.
Von der Kolonialisierung zur Megacity
An der berühmten 2,6 Kilometer langen Uferpromenade The Bund liegen die prächtigen Bauten aus der Kolonialzeit, in der unter britischer Krone die Öffnung Shanghais zum Westen begann. Der endgültige Wechsel zur Industrie- und Handelsstadt vollzog sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die ersten großen Baumwollfabriken ihre Produktion aufnahmen.
Heute spiegelt sich auf der gegenüberliegenden Seite des Huangpu-Stromes die gigantische Skyline der in den Himmel ragenden Wolkenkratzer, darunter der futuristische Fernsehturm mit seinen rosa Kugeln oder die moderne Architektur des 632 Meter hohen Shanghai-Towers. Das traditionelle China lässt sich im Yu-Garten mit seinen Pavillons, Türmen und Teichanlagen bewundern. Der Hafen gilt als größter der Welt und umfasst zahlreiche Abschnitte, darunter eine Sonderwirtschaftszone. Mit jährlich steigenden Zahlen betrug im Jahr 2019 allein der Containerumschlag 43 Millionen TEU (Twenty-Foot-Equivalent-Unit-Container).
Umworbener Wunschpartner
Von Anfang an setzte man in der Hansestadt auf die Hafenmetropole Shanghai als Wunschpartner mit enormem Potenzial. Die ursprünglichen Bemühungen um eine städtepartnerschaftliche Verbindung reichen zurück bis zu den Anfängen der 1980er-Jahre, als Hamburg die Beziehungen zur Volksrepublik intensivierte. Am 29. Mai des Jahres 1986 hatten die Bestrebungen schließlich Erfolg: Der damalige Erste Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und sein chinesischer Amtskollege Jiang Zemin, später auch Staatspräsident der Volksrepublik, unterzeichneten die Städtepartnerschaftserklärung. Seitdem können beide Metropolen im respektvollen Umgang miteinander den Titel "Tor zur Welt" für sich in Anspruch nehmen.
Hamburg ist Chinas Drehscheibe für den europäischen Markt. Jeder Dritte in Hamburg umgeschlagene Container stammt aus der Volksrepublik und ist in sehr vielen Fällen von Shanghai aus auf die Reise gegangen. Ein Grund, warum die Hafen-Hamburg-Marketinggesellschaft eine eigene Repräsentanz in der ostasiatischen Metropole installiert hat.
Doch zur Entstehung der städtepartnerschaftlichen Verbindung hat noch weitaus mehr beigetragen. Die Megacity Shanghai beruht auf einer gewaltigen Expansion von einzelnen Wirtschaftssektoren wie Warenhandel, Export, Hightech-Industrie und Finanzwesen, sodass erhebliche Herausforderungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit einer damit einhergehenden Ressourcennutzung für eine zukunftsorientierte Lebensweise entstanden. Ein Aspekt, der auch den Hamburger Stadtverantwortlichen als großes Anliegen erschien. So reiste der amtierende Erste Bürgermeister der Hansestadt, Dr. Peter Tschentscher zuletzt im August des Jahres 2019 nach Shanghai, um die bisherigen Kooperationen auf dem Gebiet der Wissenschaften und Wirtschaft auch um neue Komponenten der modernen Städteentwicklungen zu erweitern. In diesem Zusammenhang nahm Tschentscher die Gelegenheit wahr, die Stadtvertretung von Shanghai einzuladen, als Partner für den Hamburger Hafengeburtstag 2021 zu fungieren. Eine Veranstaltung, die wahrscheinlich wie auch 2020 leider nicht in gewohnter Form stattfinden wird.
Barrieren überwinden
Doch neben allen politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Vereinbarungen sind es vor allem die Menschen sowie die kulturellen Vereinigungen, welche die dauerhaften lebendigen Verbindungen zwischen den Partnern prägen und die kulturellen Grenzen überwinden. Die älteste in Hamburg agierende Institution ist die Hamburger China-Gesellschaft e. V., die seit nunmehr fast 40 Jahren Kunst, Kultur und Historie des Reichs der Mitte in den Norden Deutschlands bringt. Anlässlich der Hamburger China-Wochen gründete sich 1995 der Verein Chinesisch-Deutsche-Gesellschaft, der sich für die Förderung des persönlichen Kontakts einsetzt. Nachwuchsförderung, die Bildung von Netzwerken und der wissenschaftliche Fachaustausch stehen auf der Agenda der Gesellschaft für Asienkunde. In der Gastronomie formierte sich eine Initiative eigenständiger chinesischer Gastronomen, die unter dem Namen Chinese Cuisine zahlreiche Traditionen der chinesischen Küche in der Hansestadt präsentieren.
Die Hamburger Sinologische Gesellschaft e. V. (HSG) wurde Ende 1996 gegründet. Sie hat satzungsgemäß u. a. das Ziel, "die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung bezogen auf das gegenwärtige und das traditionelle China einem breiten Publikum zugänglich zu machen". Keine leichte Aufgabe in dieser Zeit. In pandemiefreien Jahren führt die HSG zahlreiche Veranstaltungen durch, hält öffentliche Vorträge und veröffentlicht Publikationen.
Autor: VHSt
Quellen: Senatskanzlei Hamburg; Hamburg.de; Hapag-Lloyd; Statista.com; Hafen-Hamburg.de; Chinatours.de; Hamburger Sinologische Gesellschaft e. V.
Fotos: (c) Shanghai CITS
HBZ · 03/2021
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