Heimat der Gutenberg-Bibeln
Das Gutenberg-Museum in Mainz
In Mainz befindet sich in unmittelbarer Domnähe eines der weltweit ältesten und bedeutendsten Museen zur Druck- und Schrifthistorie der Menschheitsgeschichte und europäischen Kulturgeschichte.
Ehrung für den Erfinder des modernen Buchdrucks
Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, wurde um das Jahr 1400 in Mainz geboren und gilt als Erfinder des modernen Buchdrucks, der die komplette Methodik zur Herstellung von Büchern nachhaltig revolutionierte. Gutenberg setzte hierzu erstmals bewegliche Metalllettern und Druckerpressen ein. Zu Ehren des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt und anlässlich seines 500. Geburtstages gründeten Bürger der Stadt Mainz im Jahr 1900 das Gutenberg-Museum.
Die Organisatoren wollten der breiten Öffentlichkeit Gutenbergs Erfindungen und kunstvolle Erzeugnisse zeigen. Gleichzeitig war es ihr Ansinnen, weitere Drucke und Schriften aus unterschiedlichen Kulturbereichen auszustellen. Ende Juni 1901 wurde die erste Museumsausstellung eröffnet, nachdem zuvor große Teile der Sammlung von Druckereien, Verlagshäusern und Druckerpressenherstellern zur Verfügung gestellt wurden. Zunächst war das Museum gemeinsam mit der Stadtbibliothek im kurfürstlichen Schloss Mainz untergebracht, bevor das Ensemble 1912 in die Rheinallee verlegt wurde.
Die Gutenberg-Bibeln
Mitte der 1920er-Jahre waren die Verantwortlichen an einer Abgrenzung zur Stadtbibliothek interessiert. Zur gleichen Zeit gelang es ihnen, eine der größten Attraktionen der Ausstellung zu installieren: eine Rekonstruktion der originalen Gutenberg-Werkstatt. Durch finanzkräftige Unterstützer und Förderer konnte das Museum im Jahr 1926 ein Exemplar der aus 42 Zeilen bestehenden Gutenberg-Bibel erwerben. Rund ein Jahr später bezog das Museum neue Ausstellungsräume im Haus zum Römischen Kaiser. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs machten auch vor der Mainzer Innenstadt keinen Halt, doch die wertvollen Exponate des Museums konnten nahezu vollständig gerettet werden.
Umfassende Renovierungs- und Sanierungsarbeiten sowie ein integrierter Neubau wurden erst im Jahr 1962 vollständig abgeschlossen. Das Gutenberg-Museum umfasste nun die alten Exponate und Exemplare aus einer zuvor erworbenen Privatsammlung des Berliner Fabrikanten Rudolf Blanckertz, der bis in die Kriegsjahre ein Designmuseum besaß. Außerdem war das Haus Sitz der Gutenberg-Gesellschaft, der Verwaltung, einer Fachbibliothek und einer eigenen Restaurierungsabteilung. In der Folgezeit wurde zudem das Mainzer Minipressen-Archiv, eine Sammlung aus Literaturerzeugnissen von Kleinstverlagen und Druckereien, unter die Obhut des Gutenberg-Museums gestellt. Der größte Coup gelang den Museumsverantwortlichen allerdings im Jahr 1978, als sie in New York das bis heute wertvollste Exponat der gesamten Ausstellung erwerben konnten: eine zweibändige Gutenberg-Bibel, die von 1452 bis 1455 hergestellt wurde, das sogenannte Shuckburgh-Exemplar. Experten gehen von rund 180 gefertigten Exemplaren aus, wovon nur 30 auf Pergament gedruckt wurden. Je nach Käuferwunsch wurden Farbdekoration und Einband individuell gefertigt, sodass jede Gutenberg-Bibel ein Unikat war.
Im Sinne der Forschung und Bildung
Heute ist das Gutenberg-Museum dank seiner den Globus umfassenden Sammlungen zur Buch- und Druckgeschichte, der weltweit wohl umfangreichsten Exlibris-Exponate und der bedeutenden Bestände der Druck- und Schriftkultur aus dem ostasiatischen Raum sowie des Islams und des Minipressenarchivs vor allem ein Platz für Forschung und Bildung. Die moderne Konzeption bietet nicht nur unterschiedlichste Führungen, sondern auch Druck- und Technikworkshops. Neben der Dauerausstellung finden unterschiedliche Veranstaltungen, Vorführungen oder Wechselausstellungen statt. Unterstützt werden alle Belange durch die Internationale Gutenberg-Stiftung in Mainz e. V., die Gutenberg-Gesellschaft und den Freundeskreis Gutenberg. Nachdem die Stadt Mainz im Jahr 2020 einen Arbeitskreis zur weiteren Modernisierung des Museums eingerichtet hatte, beschied der Stadtrat einen Museumsneubau, der bis zum Jahr 2025 fertiggestellt sein soll.
Die "Kleinsten Bücher der Welt"
Im Museumsshop werden seit 1958 die Kleinsten Bücher der Welt in mehreren Variationen verkauft. Gedruckt in der Graphischen Buchhandlung Waldmann & Pfitzner in München, gibt es verschiedene Bücher im Format 3,5 x 3,5 Millimeter, die auch bei bester Sehkraft nur mit Lupe lesbar sind. Verkaufsrenner ist das Vaterunser, das es in sieben Sprachen gibt.
Autor: VHSt
Quellen: Gutenberg-Museum, Gutenberg-Stiftung und Gutenberg-Gesellschaft, Joachim Meyer
Fotos: Gutenberg-Museum (c) lapping/Pixabay.com, Kleinstes Buch der Welt: Samira Aikas
HBZ · 06/2021
Weitere Artikel aus der Rubrik "Top-Themen":
Das Hamburg-Rätsel
Auf welchem Gebäude thront diese Weltkugel?
Liebe Leserin und lieber Leser, mit unserem Hamburg-Rätsel können Sie testen, wie gut Sie Hamburg kennen. ...HBZ · 1/2024
Aufgeblättert: Buchtipp
Fußball-Ikone: 'Uns Uwe'
Uwe als Buttje mit Lederball, Uwe auf Schneeboden im Stadion Rothenbaum, Uwe im Nationaldress, Uwe beim Autogrammschreiben, Uwe mit 'Vadder' Erwin, Mutter Anny und Schwes ...HBZ · 1/2024
Geschichten aus Hamburgs Geschichte
Das Wappentier
Die Alsterschwäne symbolisieren seit Jahrhunderten Hamburgs Unabhängigkeit. ...HBZ · 1/2024
VHSt Literaturkurs Frühjahr 2024
Exilliteratur. Von Südfrankreich nach Amerika
Im neuen Jahr starten wir mit einem Klassiker der Exilliteratur: Anna Seghers Transit (1944). ...HBZ · 1/2024
Ihr Recht in der Praxis
Höhergruppierung von Tarifangestellten
Einige von Ihnen haben die kostenlose Rechtsberatung für Mitglieder des VHSt bei der Kanzlei von Harten bereits wahrgenommen und uns sehr positive R&uum ...HBZ · 1/2024
Entstehung und Zwischenbilanz
Der neue Hamburg Service vor Ort
Schlechte Nachrichten schreckten 2016 den rot-grünen Senat auf: 'Kundenzentren laufen Mitarbeiter weg', titelte eine Zeitung, 'Keine Termine mehr für Bür ...HBZ · 1/2024



