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Realismus mit persönlicher Note

Susanne Wind und Helmut Schack

In dieser HBZ-Ausgabe stellen wir Ihnen mit Susanne Wind und Helmut Schack zwei außergewöhnliche Künstler aus Hamburg vor, die mit ihren Werken begeistern.

Susanne Wind und Helmut Schack
Hafenfähre (40 x 60cm, Eitempera auf Leinwand, 2019) von Susanne Wind
Susanne Wind gibt der Realität in ihren Gemälden einen poetischen Touch. Helmut Schack ist mit seinen Holzschnitten im Schwarz-Weiß-Expressionismus verankert, während seine Ölgemälde surrealen Realismus zeigen.

Susanne Wind: realistische Poesie


Die preisgekrönte Malerin Susanne Wind wurde 1965 in Hamburg geboren und wuchs naturverbunden in Holm bei Wedel auf, was sie und ihre Arbeit prägte. Ihr Vater unterstützte sie dabei, ihr schon früh gezeigtes Talent fürs Malen und Zeichnen zu vertiefen und einen künstlerischen Weg einzuschlagen. Bereits im Alter von 12 Jahren nahm sie an einem Ölmalkurs an der Volkshochschule teil. Nach einer Ausbildung zur Dekorateurin besuchte sie die Fachoberschule für Gestaltung in Hamburg und zog in die Stadt. Sie studierte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) bei Professor Klaus Frank, der sie zur Plein-Air-Malerei brachte - eine Leidenschaft, in der Susanne Wind vollends aufging und die sie die nächsten zehn Jahre beschäftigte.

Susanne Winds Kunst, die sie als realistische Poesie bezeichnet, wurde von Gerhard Richters Landschaften und den Werken von Joaquín Sorolla, Jochen Hein, Friedel Anderson oder Tomás Sánchez beeinflusst. Alles Landschaftsmaler, die wie Susanne Wind Wirklichkeit und Poesie miteinander verbinden. Inspiration findet sie in der Natur: das Farbspektrum des Morgen- und Abendlichtes, das Wunder der Schöpfung, Kinder, die Einzigartigkeit jedes Menschen. Ihr längerer Aufenthalt in den USA, wo realistische Plein-Air-Malerei von Größen wie Norman Rockwell in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, ermutigte sie zusätzlich, der realistischen Malerei zu folgen.

Susanne Wind und Helmut Schack
Der Tide Garten (70 x 100 cm, Eitempera auf Leinwand, 2019) von Susanne Wind
Licht, Gezeiten und figürliche Darstellungen harmonieren miteinander, wecken Gefühle und ziehen den Betrachter in den Bann. Mit einer analogen Kamera und Diafilm hält sie die Motive fest. In ihrem Atelier in Hamburg-Ottensen skizziert sie deren Essenz auf der Leinwand. Um die Atmosphäre des Motivs wiederzugeben, läuft sie "wie eine Ameise mit Farbe und Pinsel von Detail zu Detail", wie sie sagt, und verleiht den Motiven so einen poetisch anmutenden Tiefgang, den Fotografie in dieser Form nicht wiedergeben könnte. Was ihre Materialien angeht, ist Susanne Wind sehr klarlinig: "Ich arbeite die letzten 25 Jahre ausschließlich mit Eitempera auf Leinwand." Bei dieser alten Technik mischt sie ihre Farben mit Pigmenten, Terpentin, Leinöl, Harz und Ei selbst an.

Meine Werke erzählen von der Kostbarkeit des Lebens und der Kraft der Natur, ihrer Fülle wie auch ihrer Verwundbarkeit.

Noch bis zum 31. Oktober 2021 stellt die freischaffende Künstlerin ihre Werke im Friesenmuseum in Wyk auf Föhr aus.

Susanne Wind und Helmut Schack
Unterwegs zum Bolzplatz, St. Pauli Hafenstraße 1976 (50 x 60 cm, Öl auf Leinwand, 2016) von Helmut Schack

Helmut Schack: Realismus mit surrealem Auge


Sechs Monate nach seiner Geburt in Hamburg 1943 flohen Helmut Schacks Eltern mit ihm aus der zerbombten Stadt nach Wesselburen. Nach drei Jahren kehrten sie zurück und richteten sich in einer Kellerwohnung ein. Seine Kindheit als "Kellerkind" verarbeitet der Künstler in seinem Werk "Gestern - Heute - Morgen". Nach einer Lehr- und Anwärterzeit im hamburgischen öffentlichen Dienst begann Helmut Schack, sich in Volkshochschulkursen mit den Grundlagen des Zeichnens und Malens auseinanderzusetzen und seiner Kreativität in der Schwarz-Weiß-Fotografie freien Lauf zu lassen. Während seiner Dienstzeit zunächst im gehobenen, später im höheren Dienst bei der Wirtschafts- und Baubehörde ging er weiterhin seiner Fotoleidenschaft nach. Nebenbei steuerte er als Bildredakteur beim Jungen Beamten vom Deutschen Beamtenbund Fotos bei. Dieser Passion blieb er bis 1983 treu. Danach besuchte Helmut Schack zahlreiche Kurse für Malen und Bildkomposition für Fortgeschrittene. Insbesondere der Unterricht bei Peter Geller, einem Maler mit expressivem Schwerpunkt, und dessen professionelle Ansprüche weckten bei ihm neue Impulse für Ausdruck und Maltechnik, die er für eine intensive Auseinandersetzung mit der Ölmalerei, mit gelegentlichen Exkursen zu anderen Farbtechniken, nutzt.

Im Mittelpunkt seiner Ölmalerei steht die Auseinandersetzung mit Eindrücken, die er auf Malreisen sammelte. Insbesondere die Landschaften Nordspaniens, Mittelitaliens und Dalmatiens faszinieren ihn. Oft beginnt seine Arbeit an der Freiluftstaffelei vor Ort und wird dann im Atelier fertiggestellt. In kräftigen, mehrschichtig aufgetragenen Farben entstehen dabei realitätsnahe und zugleich hintergründige Landschaftsporträts und Szenen. Die wichtigsten Strukturen des Gesehenen werden dabei verfremdet und mit eigenwilligen, teilweise symbolhaften Akzenten versehen. Nach seiner Stilrichtung gefragt, meint Schack:

Ich bin stilistisch ein Realist mit einem surrealen Auge.

Zu Helmut Schacks Holzschnittwerken inspirierten ihn die expressionistischen Schwarz-Weiß-Holzschnitte der 1905 gegründeten Dresdner Künstlergruppe Die Brücke. Die rebellischen Künstler waren neben ihrer intensiven und kontrastreichen Farbnutzung bei der Ölmalerei auch für mutige Bildkompositionen mit vergröberten und kantigeren Formen berühmt, die sich auch in Helmut Schacks Werken wiederfinden. Besonders seine Mehrplattendrucke erfordern einiges an physischer Kraft und Ausdauer. Ein Entwurf wird pro Farbe auf Transferpapier und dann auf eine Holzplatte übertragen. Danach wird das Motiv ausgeschnitten und die Holzplatten einzeln eingefärbt.



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Autor: VHSt


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HBZ · 07/2021

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