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Neue Therapie sorgt für Hoffnung

Alzheimer: Ursachen statt Symptome bekämpfen

Alzheimer ist bislang eine Krankheit ohne Heilung oder die Chance, ihr Fortschreiten aufzuhalten. Im Juni dieses Jahres wurde in den USA erstmals seit fast 20 Jahren ein neues Medikament für Alzheimerpatienten zugelassen, das anders als alle bisherigen nicht die Symptome, sondern die Ursachen bekämpfen soll.

Alzheimer: Ursachen statt Symptome bekämpfen
Foto: Pixabay (c) PublicDomainPictures

Weltweit etwa 50 Millionen Betroffene


Die Alzheimerkrankheit führt zu einer gestörten Nervenzellenkommunikation und schließlich zum Absterben von Nervenzellen in Regionen im Gehirn, die für das Gedächtnis, das Denken, die Sprache und die Orientierung zuständig sind. Wie Alzheimer genau entsteht, ist noch immer nicht restlos aufgeklärt, aber zwei verschiedene Eiweißablagerungen spielen eine Rolle: Plaques aus Beta- Amyloid und Fibrillen. Beta-Amyloid ist ein natürlich im Körper vorkommendes Eiweiß, das im gesunden Gehirn gespalten und abgebaut wird. Bei der Alzheimerkrankheit ist der Abbau gestört und es entstehen Beta-Amyloid-Proteine, die sich als giftige Oligomere ansammeln, verklumpen und unauflösliche Plaque- Ablagerungen zwischen den Nervenzellen bilden. Fibrillen entstehen, wenn sich die sonst u. a. für den Transport von Nährstoffen und Stabilität der Zellen sorgenden Stäbchen aus Tau-Proteinen chemisch verändern und sich als Fasern in den Nervenzellen anlagern. Die Zellen verlieren dadurch ihre Form, Funktion und zerfallen.

Symptome und Verlauf


Alzheimer löst bei Erkrankten zunehmende Vergesslichkeit, Verwirrtheit, Konzentrationsschwäche, Orientierungslosigkeit sowie eine Veränderung von Verhalten und Persönlichkeit aus. Die Folgen sind Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Kommunikationsprobleme und oftmals Depressivität. Viele Betroffene merken bereits im Anfangsstadium, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, wollen es aber nicht wahrhaben oder sich keine Blöße geben. Als Folge gehen sie erst spät zum Arzt und versuchen die Erkrankung, die sich oft ab einem Alter von etwa 65 Jahren zeigt, zu vertuschen.

Im frühen Krankheitsstadium treten erste Störungen des Kurzzeitgedächtnisses auf. Auch erste Schwierigkeiten bei räumlicher und zeitlicher Orientierung gehören zum Krankheitsbild. Im mittleren Stadium nehmen die Defizite zu und auch das Langzeitgedächtnis ist betroffen. Außer an Kindheitserinnerungen fällt es schwerer, sich an wichtige Lebensereignisse zu erinnern. Das Erkennen von vertrauten Gesichtern wird schwerer und eine Lebensführung ohne Unterstützung ist nicht mehr möglich. Im späten Stadium baut schließlich auch der Körper immer weiter ab.

Hoffnung nach 20 Jahren


Bisher erhältliche Therapien bekämpfen Symptome, indem sie die Hirnleistung stimulieren oder Begleiterscheinungen wie Depressionen behandeln. Führende Forscher waren sich schon vor Jahren darüber einig, dass die Gabe von Antikörpern gegen die verantwortlichen Proteine eine Möglichkeit sein könnte, die Krankheit aufzuhalten. Bisher fielen aber alle entwickelten Medikamente bei den klinischen Studien durch.

Dieses Jahr haben gleich mehrere Pharmaunternehmen Medikamente in der fortgeschrittenen Entwicklung, die nach diesem Prinzip gegen die Bildung von Alzheimerplaques helfen sollen. Eines von zwei sehr viel versprechenden wurde in den USA bereits zugelassen. Das zweite startet bald seine Phase-IIIStudie und hofft ebenfalls auf eine vorgezogene Zulassung.

Aduhelm: in den USA bereits zugelassen


Im Juni 2021 gab die US-Arzneimittelbehörde FDA grünes Licht für das Medikament Aduhelm des US-Biotechnologiekonzerns Biogen. Als monatliche Infusion verabreicht soll der Wirkstoff Aducanum durch Senkung der Bildung von Beta-Amyloid ein Fortschreiten der Krankheit stoppen und in einigen Fällen sogar einen Rückgang des geistigen Abbaus bewirken können. Da nur in einem von zwei klinischen Tests eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten belegt werden konnte, sind noch nicht alle Experten von der Wirksamkeit überzeugt. Die US-Arzneimittelbehörde sah jedoch den Nutzen größer als das Risiko an und stimmte der Zulassung im beschleunigten Verfahren zu. Ende dieses Jahres soll voraussichtlich die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA über die Zulassung für Europa und somit auch für Deutschland fallen.

Lecanemab noch wirksamer?


Das japanische Pharmaunternehmen Eisai, das auch an der Entwicklung von Aduhelm beteiligt war, will nun sein neues Medikament gegen Alzheimer über ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bei der FDA auf den US-Markt bringen. Lecanemab ist in der Phase- IIb-Studie, auf die die letzte Studienphase folgt. Bisher zeigte sich, dass Lecanemab stärker als Aducanumab Plaques im Gehirn reduziert und gleichzeitig ein besseres Sicherheitsprofil vorliegt. 80 Prozent der Alzheimerpatienten waren nach anderthalb Jahren frei von Plaques. Die Phase-III-Studie soll insgesamt vier Jahre dauern, aber bei einer beschleunigten Zulassung könnte das Medikament schon bald erhältlich sein.

Hinweis: Weder Aduhelm noch Lecanemab waren zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses in Deutschland zugelassen. Dieser Artikel dient ausschließlich Ihrer Information. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und der Artikel ersetzt keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Arzt


Autor: VHSt

Quellen: Alzheimer Forschung Initiative e. V., Apotheke adhoc: apotheke-adhoc.de, U.S. Food & Drug Administration (FDA), Healthcare-in-Europe.com

Fotos: Pixabay (c) PublicDomainPictures

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HBZ · 12/2021

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