Hamburger Geschichtswerkstätten
Galerie Morgenland - Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Der dicht besiedelte Stadtteil Eimsbüttel kann auf eine reichhaltige Historie zurückblicken. Diese zu bewahren, Zeitzeugenberichte zu dokumentieren sowie Fotos und Broschüren zu sammeln, ist Teilaufgabe der Geschichtswerkstatt.
Ein vielfältiger Stadtteil entsteht
Bedenkt man, dass Eimsbüttel im Jahr 1275 noch ein winziges Dorf vor den Toren Hamburgs war, so hat sich bis heute einiges getan. Noch im 16. Jahrhundert dominierten drei Bauernhöfe das beschauliche Landleben. Ein Kloster sorgte für den göttlichen Beistand und begann zu dieser Zeit mit dem Betrieb einer Schäferei, woraus sich später der Name Schäferkamp ableitete, der sich heute in zwei Straßenzügen beim Schlump wiederfindet. Erst über 100 Jahre danach zog es die ersten vornehmen Hamburger Bürgerfamilien hinaus in die dörfliche Idylle, wo sie sich prächtige Landhäuser erbauen ließen. Einige dieser Familiennamen wie Lutteroth, Doormann, Faber oder Lappenberg zieren Straßenschilder im Stadtteil.
Die Industrialisierung im Kaiserreich ließ Hamburg und das nun zum großstädtischen Vorort deklarierte Dorf entlang der Achse Eimsbütteler Chaussee, Fruchtallee und Eimsbütteler Marktplatz wachsen. 1894 wurde Eimsbüttel zum Hamburger Stadtteil, in dem großflächig Mietshäuser erbaut wurden, um viele Bewohner der Altstadt und nach Hamburg Eingewanderte aufzunehmen. Die erste Anbindung an das Hamburger U-Bahn-Netz erfolgte im Jahr 1914. Im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der Bebauung aus der Gründerzeit durch Luftangriffe der Alliierten zerstört. So zeigt der Stadtteil heute ein durchaus buntes Gesicht mit Gebäuden vieler Epochen.
Trotz der Gebietsabtretungen an den im Jahr 2008 neu geschaffenen Stadtteil Sternschanze ist Eimsbüttel besonders bei jungen Menschen beliebt und heute ein Stadtteil, der besonders von Gentrifizierung betroffen ist.
Galerie Morgenland - Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Ansprechpartner: Jörg Petersen
Sillemstraße 79
Tel.: (040) 490 46 22
www.galerie-morgenland.de
www.eimsbuettel-geschichte.de
Die Geschichtswerkstatt im Morgenland e. V.
Seit 1980 engagieren sich Stadteilbewohnerinnen und -bewohner im gemeinnützigen Verein Morgenland. Dort entstand auch Anfang der 1980er-Jahre eine Geschichtsgruppe, die eine erste Ausstellung namens "Kennen Sie Eimsbüttel?" veranstaltete. Die komplexe Entwicklung des Stadtteils ist im Archiv ersichtlich. Hierzu gehört eine Bibliothek, in der beispielsweise auch die in den 1950er-Jahren erschienenen Broschüren und Festschriften des Bezirksamtes Eimsbüttel oder selbst erarbeitete Dokumentationen von Zeitzeugen zusammengefasst sind.
Die zahlreichen Sammlungen geben einen wertvollen Eindruck über bedeutsame Ereignisse, wie die Eröffnung des Hamburg-Hauses im Jahr 1965, über die Kunst am Bau, Analysen oder Berichte zur Eimsbütteler Bücherhalle. Ergänzt werden die historischen Aufzeichnungen durch eine umfangreiche Fotosammlung und sonstige ergänzende Unterlagen zur Geschichte des Stadtteils.
Roter Stadtteil unter dem Hakenkreuz
Eines der wichtigsten Themen der Geschichtswerkstatt ist die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus, den Auswirkungen von Faschismus, Verfolgung und Krieg sowie dem daraus resultierenden Widerstand. Eine klare Positionierung und konkrete Nachforschungen für den schon immer eher als "rot" geltenden Stadtteil hatten hierbei schon in der jüngeren Vergangenheit eine hohe Priorität. Anhand konkreter Zusammenfassungen geht es dabei um die Geschichte des jüdischen Lebens in Eimsbüttel, die antisemitischen und faschistischen Bewegungen, aber auch um die Biografien von Zeitzeugen oder die mutigen Menschen des Widerstands. Zu diesem einschneidenden historischen Thema sind bereits einige Dokumentationen und Buchveröffentlichungen entstanden. Heute ist die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel ein generationsübergreifender Treffpunkt, in dem zudem wechselnde Kunstausstellungen die engagierte Stadtteilarbeit abrunden.
Bildergalerie
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Autor: Samira Aikas
Fotos: Historische Postkarte © Archiv der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel; alle weiteren Fotos: GWE © Andrea Orth
HBZ · 04/2022
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