VHSt - Hamburgischer Verein für den öffentlichen Dienst
Hamburgischer Verein für den öffentlichen Dienst
 
Aktuelle Ausgabe
Titelfoto: © Eine Lochkarte war das Vorbild für die Fassade des Kallmorgen Tower, Foto: (c) stahlpress Medienbüro

Das Mitgliedermagazin

Hamburgische Zeitschrift für den öffentlichen Dienst

 

Mitglied werden

Profitieren Sie von der Mitgliedschaft im VHSt. Einfach ausdrucken und ausgefüllt an uns senden.

 

BESONDERE VERANSTALTUNGEN


 

Top-Themen

Liberales und geistiges Zentrum Nicaraguas

Hamburgs Partnerstädte: Leon

Der 728 Meter hohe aktive Vulkan Cerro Negro nahe Leon, Foto: Lukas Jancicka
Der 728 Meter hohe aktive Vulkan Cerro Negro nahe Leon, Foto: Lukas Jancicka

Nach den beiden Hamburger Partnerstädten St. Petersburg und Marseille stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe die wahrscheinlich eher unbekanntere Partnerstadt Santiago de los Caballeros de León im Westen Nicaraguas vor.

Das nach vielen Unruhen und Kriegen zerrüttete Nicaragua in Mittelamerika sucht seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1839 nach seinem Platz im Staatenverbund.

Partner seit den 80ern

Nach der blutigen Revolution im Sommer des Jahres 1979 und dem Sturz der lange herrschenden Somoza-Diktatur regieren die linksgerichteten Sandinisten unter der Führung Daniel Ortegas die neue Republik. Um die von vielen Gruppierungen angestrebten gesellschaftlichen Projekte zu unterstützen, nahm der Hamburger Senat bereits Anfang der 1980er-Jahre erste Gespräche für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf.

León stand dabei im vordergründigen Interesse der Politik. Die Stadt war lange geprägt durch die Verarbeitung von Baumwolle, die dann aus Umweltschutzgründen der Zucker- und Erdnussproduktion wich. Außerdem war León ganz im Gegensatz zur Hauptstadt Managua stets das Zentrum eines liberalen Bürgertums sowie der lateinamerikanischen Dichter und Denker.

Hamburgs Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi persönlich gab 1983 dem Druck etlicher Bürgerbewegungen nach und empfing im Rahmen eines Besuches den nicaraguanischen Kulturminister und bekannten Literaten Ernesto Cardenal. Das Versprechen: eine Unterstützung des Bürgermeisters für eine städtepartnerschaftliche Verbindung der Hansestadt mit León. Allerdings sollten noch sechs weitere Jahre vergehen, bevor der damalige Erste Bürgermeister Henning Voscherau das Abkommen mit Léon über eine dauerhafte Städtepartnerschaft und Kooperationen im Zeichen der Entwicklungshilfe unterzeichnete.


Projekte zur Selbsthilfe

Das Partnerschaftsabkommen rief schon kurz nach der Unterzeichnung ein großes mediales Echo hervor und wurde in der breiten Öffentlichkeit positiv aufgenommen. Seit jenen Tagen unterstützt der Hamburger Senat zahlreiche Projekte, die auf Eigeninitiativen oder Planungen von nicaraguanischen Organisationen beruhen, welche nicht der staatlichen Regierung unterliegen. Der langjährige Aufbau konnte viele Basispartnerschaften festigen. So konnten bis heute die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und das Zusammenwirken zwischen dem Senat und den Basisgruppierungen gestärkt werden, um Prozessabläufe zu erleichtern. Ziel aller Bestrebungen war und ist, die Lebensumstände in der 150.000-Einwohner-Stadt in Nicaragua zu verbessern. Durch das starke Engagement und die Gründung immer weiterer Interessenvertretungen war die Städtepartnerschaft von Beginn an nicht nur ein Lippenbekenntnis.

Positive Ergebnisse

Jahr für Jahr konnten zahlreiche Projekte angegangen werden, die nicht nur unter der Mitwirkung der Hansestadt, sondern auch durch viel privaten Einsatz und großzügige Spendengelder konkrete Ergebnisse hervorbrachten. Ein sehr gutes Beispiel für den solidarischen Einsatz zum Wohl der Menschen in León ist der eingetragene Verein Freundeskreis León-Hamburg. In Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg und einzelnen Projektträgern in León konnten verschiedene Maßnahmen eingeleitet werden, die auf den Vereinbarungen des letzten Convenio, einem Fachtreffen des Bürgermeisteramtes der Stadt in Mittelamerika und des Senates der Hansestadt, beruhen. Ein wichtiger Punkt hierbei war eine funktionelle Trinkwasserversorgung, kombiniert mit einer nachhaltigen Abwasserentsorgung für große Teile Leóns. Die örtlichen Gegebenheiten und die fehlenden hygienischen Voraussetzungen waren in der Vergangenheit immer wieder große Gefahrenherde für Infektionen oder krankheitsübertragende Erreger.

Die Verbesserungen in diesem Bereich hatten bereits seit Ende der 1990er-Jahre Priorität und zwischenzeitlich konnte der Stadtkern von León weitestgehend mit einem neuen Kanalisationsnetz ausgestattet werden. Projektbegleitend hat sich die in Hamburg ins Leben gerufene Rest- Cent-Initiative etabliert. Aus Spendengeldern werden unter anderem Hausanschlüsse für Familien finanziert, die sonst keinerlei Möglichkeiten hätten, sich an das städtische Kanalnetz anzugliedern. Der gezielte Einsatz der Spendengelder wird erst nach fachlicher Begutachtung und vor Ort erfolgter Prüfung freigegeben.


Hilfe für Leóns Straßenkinder

Andere Projekte befassen sich mit der schlechten gesellschaftlichen Situation der Kinder. Über 40 Prozent der Bevölkerung Nicaraguas sind nicht älter als 14 Jahre. Auch in León gibt es viele Kinder, die in menschenunwürdigen Verhältnissen großwerden, auf der Straße leben und kaum Zukunftsperspektiven haben. So finanzieren Vereine, Spenden und Programme des Hamburger Senats Initiativen wie das Kinderprojekt "Las Tias" oder Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, um die Gesamtlage für die junge Generation zu verbessern.

Stadtreinigung macht Schule

Weitere wichtige Bestandteile der immer noch aktuellen Vereinbarungen und Entwicklungsprozesse sind Umweltmaßnahmen wie die Klärung regionaler Flüsse oder die Neuinstallation sanitärer Anlagen. So kommen Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten von WC-Anlagen zum Beispiel auch der kommunalen Stadtverwaltung von León zugute. Auf Betreiben der Senatskanzlei arbeitet die Hamburger Stadtreinigung seit Jahren eng mit der Partnerstadt in Nicaragua zusammen. Hierzu wurden einige Müllfahrzeuge den mittelamerikanischen Kollegen überlassen, Mitarbeiter geschult und Werkstätten eingerichtet. Koordinierung der Müllentsorgung, Wasserschutz und Verbesserungen der hygienischen Bedingungen innerhalb Leóns sind weitere wichtige Aspekte. Außerdem gibt es zahlreiche andere Maßnahmen, die der ökonomischen Entwicklung der Partnerstadt nutzen. Dazu gehören auch wirtschaftliche Förderungen von kleinbäuerlichen Betrieben oder der Ausbau des lokalen Tourismus.

Fotos: Pixabay.com: Kunsthandwerk: Bronson Harrington, Streetart: RobertoVi, Vulkan: Lukáš Janc˘ic˘ka; Kakteen: Pixhere.com; alle weiteren Fotos: Nicaraguaportal.de

Quellen: Senatskanzlei Hamburg, Nicaragua Verein Hamburg e. V., Freundeskreis León-Hamburg e. V., Nicaraguaportal.de

Bildergalerie
Zum Vergrößern Bild anklicken.
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern
Bild vergrößern

Autor: VHSt

HBZ · 09/2020
 
Weitere Meldungen:

Geschichten aus Hamburgs Geschichte

Erquickendes Elixier

Die Wiener Kaffeehaus-Kultur ist weltberühmt, doch die Hamburger waren schneller....
HBZ · 4/2026
 

Satzung und Ferienwohnungen

Nächste Schritte des Vereins

Während die Mitgliederzahlen des Vereins Hamburgischer Staatsbeamten r. V. weiter sinken und wir uns Tag um Tag dem 150-jährigen Jubiläum nähern, arbeiten wi...
HBZ · 4/2026
 

Lernen am Bildschirm?

Digitalisierung an den Hamburger Schulen

Nicht nur in der Verwaltung schreitet die Digitalisierung immer weiter voran. Auch an den Hamburger Schulen hält sie immer mehr Einzug....
HBZ · 4/2026
 

Ihr Recht in der Praxis

Was ist eigentlich ein 'Konkurrentenverfahren'?

Sehr geehrte Mitglieder und Interessierte, ich möchte Ihnen heute das im Volksmund als "Konkurrentenverfahren" bekannte Verfahren vorstellen, orientiert an ei...
HBZ · 4/2026
 

Streifzüge durch (fast) 150 Jahre VHSt

Revolutionäre Beamte? Rat und Räte in Hamburg

Ist ein guter Rat teuer? Kommt drauf an. In Fragen des öffentlichen Dienstes zu Ausbildung, Besoldung, Fürsorge, Freizeit, Wohnen oder Rechtshilf...
HBZ · 4/2026
 

Der Weg Hamburgs in die digitale Zukunft

Von der Zettelwirtschaft zur Smart City

Digitalisierung ist nicht allein eine Frage der Technik, sondern auch ein soziales Unterfangen. Als Zeichen für die Verschmelzung von Bildung, Kultur und Verwaltung i...
HBZ · 4/2026
 
 
 
 

TOP