
Aufgeblättert: Buchtipp
Eine Blume namens Uwe
Buchcover: (c) Jonglez Verlag
Ein Hamburg-Führer, der anders ist als seine unzähligen Vorgänger.
In Rike Wolfs und Holmer Stahnckes Band
Verborgenes Hamburg stehen nicht Alster, Michel oder Elbphilharmonie im Fokus, sondern Abseitiges, Skurriles und Verborgenes. Oder ist Ihnen etwa der Schwemmholzpfad am Köhl branddeich bekannt? Andernorts wird angetriebenes Schwemmholz für viel Geld an Touristen verkauft, am Köhlbrand kann man kostenlos zugreifen. Das Autorenduo empfiehlt deshalb, mit dem Auto anzureisen, um die Fundstücke sogleich verstauen zu können.
Weiter gilt es, historische Litfaßsäulen, Grenzmarkierungen zwischen Hamburg und Altona sowie napoleonische Kanonenkugeln zu entdecken - oder einen Blütengarten, in dem man "Uwe Seeler" bewundern kann. Das handliche Buch hält mehr als 140 Überraschungen parat. Wussten Sie beispielsweise, dass Hamburgs kleinstes Denkmal den Chilehaus-Baumeister Fritz Höger darstellt? Es befindet sich in einer Nische des von ihm entworfenen Broschek-Hauses, das der bekannte Architekt Volkwin Marg lange nach Högers Tod vollendete. Marg entdeckte die Plastik im Privatbesitz der Witwe und ließ daraus einen Abguss fertigen. Nun sitzt der "kleine Fritz" lässig, auf die Knie gestützt und schaut selbstbewusst und ein wenig überheblich - ganz so, wie es seinem ruppigen Naturell entsprach - von seinem Sockel herab.
Unerwartetes findet sich auch in Planten un Blomen. Dort befanden sich von 1795 bis ins frühe 20. Jahrhundert die Friedhöfe der Hauptkirchen. Die letzten Gräber wurden 1930 eingeebnet. Heute erinnert nur noch ein versteckter, über einen Trampelpfad erreichbarer Sarkophag an diese Zeit. Die Inschrift "Friede den Entschlafenen" von 1815 ist den zahlreichen Opfern der "Franzosenzeit" gewidmet, eines der schlimmsten Kapitel in der Geschichte Hamburgs.
Rike Wolf, Holmer Stahncke: Verborgenes Hamburg, Jonglez Verlag, Ostfildern 2025, 312 Seiten, 21,95 Euro
Autor: Volker Stahl
HBZ · 07/2025
Weitere Meldungen:
Geschichten aus Hamburgs Geschichte
Abelke Bleken wurde Ende des 16. Jahrhunderts in Ochsenwerder als "Hexe" verbrannt...
HBZ · 10/2025
Ihr Recht in der Praxis
Sehr geehrte Mitglieder und Interessierte, ich berichte Ihnen heute von einer interessanten Entscheidung zum Thema "Beurteilung", die das Bundesverwaltungsgericht jüngst getroffe...
HBZ · 10/2025
Streifzüge durch (fast) 150 Jahre VHSt
Der kulturgeschichtliche Gehalt eines Bildnisses wie das "Fundstück" (s. Bild u.: junge Frau mit Perlenschmuck) ist verantwortlich dafür, dass sich Miniaturmalereien in H...
HBZ · 10/2025
Archive - das Gedächtnis Hamburgs
Wer sich für Hamburgs Historie interessiert, kann auf nahezu unerschöpfliches Material zurückgreifen, das in städtischen und privaten Archi...
HBZ · 10/2025
Editorial
Liebe Mitglieder des VHSt, liebe Kolleginnen und Kollegen, eigentlich will man noch "Im Märzen der Bauer" singen und schaut raus und denkt "... und kam die goldene Herbstesze...
HBZ · 10/2025
Unterschätztes Genre?
Laut dem deutschen Duden ist ein Kriminalroman »ein Roman, bei dem ein Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt stehen«....
HBZ · 10/2025