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Streifzüge durch (fast) 150 Jahre VHSt

Griff nach den Sternen (1)

Jubelfeier in der Musikhalle am 25.1.1929, Direktor Meht (im Oval), Foto: (c) Hamburger 8 Uhr-Abendblatt (26.1.1929)
Jubelfeier in der Musikhalle am 25.1.1929, Direktor Meht (im Oval), Foto: (c) Hamburger 8 Uhr-Abendblatt (26.1.1929)

Zu Beginn des Jahres, in dem die Bürgerschaft einer Umnutzung des 1924 außer Betrieb genommenen Wasserturms im Stadtpark zu einem Planetarium zustimmte, feierte der Verein Hamburgischer Staatsbeamten mit berechtigtem Stolz, unter großer öffentlicher Anteilnahme und ausgiebiger Presseberichterstattung das goldene Jubiläum seines Bestehens.

Doch, wo es hellen Glanz gibt, gibt es auch tiefe Dunkelheit - oder astronomisch gesprochen: eine Supernova kann leicht zu einem schwarzen Loch werden. In diesem Tauchgang folgt der erste Teil der Geschichte.

Das Ende einer Ära


Der "Fest-Abend" am 25. Januar 1929 wurde musikalisch eröffnet und gestaltet durch das Philharmonische Orchester. Die Begrüßung erfolgte durch den ersten Vorsitzenden Friedrich Meht, der betonte: "Der zähe hanseatische Geist ließ sich nicht unterkriegen [...] Unser Ziel bleibt: Wirtschaften und schaffen für die Wohlfahrt der Beamten. Dadurch dienen wir dem Staat und der ganzen Bevölkerung." Festredner war der 48-jährige Oberstudienrat Theodor Körner, der forderte: "Wir wollen kein rückwärts gerichtetes Beamtentum sein, sondern ein solches, das aus der Idee des neuen Staates seine Mission schöpft". Bürgermeister Carl Petersen überbrachte das Grußwort des Senats mit dem emphatischen Ausruf: "Möge der Geist, der dieses Männer erfüllt hat und noch erfüllt, immer in der hamburgischen Beamtenschaft lebendig bleiben!" Weitere Redner waren als Vizepräsident der Bürgerschaft und Vorsitzender des DBB-Landesverbandes Hamburg Carl Grevsmühl, der die Glückwünsche der großen Spitzenorganisationen der deutschen Beamtenschaft überbrachte, und der Bundesdirektor des deutschen Beamtenwirtschaftsbunds, Fritz Engelbart, der humorvoll trotz der bekannten "hamburgischen Dickköpfigkeit" die gute Zusammenarbeit des Vereins mit den Berliner Zentralstellen hervorhob.

Auf dem "Gesellschafts-Abend" am 1. Februar spielte bei Sagebiel die Kapelle der Ordnungspolizei auf; zwei NORAG-Rundfunk- Lieblinge trugen Gesänge vor. Und auch hier hielt Körner die Festrede des Abends, den einmal mehr Meht eröffnet hatte. Dies aber sollte der letzte offizielle, stürmisch befeierte Auftritt des 75-jährigen Vereinsvorsitzenden sein. Nach zwölf langen Jahren trat der Lombarddirektor von seinem Amt zurück. Er war 1917 auf Professor Wilhelm Wegehaupt gefolgt, den langjährigen Direktor des Wilhelm-Gymnasiums, an dem seit 1906 auch beider Nachfolger, besagter Festredner Körner unterrichtete, bis ihn die Schulbehörde zum ersten Leiter des 1930 eröffneten Planetariums bestellte (was er bis 1934 blieb).

Sternentheater


Die Besetzung mit einem leidenschaftlichen Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften lag nahe, zumal das "Sternentheater" in erster Linie zur Vermittlung astronomischen Grundwissens an Schülerinnen und Schüler gedacht war; folge richtig stand es daher zunächst auch unter der Leitung der Hamburger Schulbehörde (heute: der Kulturbehörde). Der Durchmesser seiner Projektionskuppel machte es zu einem der neun 'Großplanetarien' Deutschlands. Bereits im ersten Jahr konnte es 108.628 Besucher verzeichnen.

Zudem beherbergte es nicht nur eine Bibliothek mit astronomisch-astrologischen Büchern aus der berühmten Sammlung des 1929 verstorbenen Kulturwissenschaftlers Aby Warburg, sondern auch eine von ihm ,volkserzieherisch' ausgerichtete Ausstellung, die ebenfalls im April 1930 unter dem Titel Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde eröffnet wurde. Sie galt lange als verschollen; heute ist sie auf Anfrage wieder im Kesselsaal zu erleben.1 "Wunder über Wunder. Begeisterte Freude löst der Besuch des Planetariums aus",2 schwärmte ein Besucher nach der Führung für Vorstandsmitglieder des Vereins, der Altonaer Beamtenvereinigung und des Beamtenrats. Die Entwicklung von Körners neuer Tätigkeit, für die der Gymnasiallehrer vom Schuldienst teilbeurlaubt worden war, stand also unter einem guten Stern, während sich an jener im Jahr zuvor angetretenen Stelle im Verein eher eine Art schwarzes Loch auftat. Doch zunächst einmal zur Person, die für die weitere Geschichte des Vereins auch während der NS-Diktatur zum Stabilitätsfaktor werden sollte:

Theodor Körner


Wie sein Vorgänger Meht, der 1907 bis 1921 Mitglied der Bürgerschaft und 1918 bis 1923 Beamtenratsmitglied war - er hatte sich außerdem 50 Jahre lang für den Arbeiterbildungsverein engagiert -, gehörte auch der bestens vernetzte Körner der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an. Er hatte sich in den Jahren seit Kriegsende verschiedentlich ehrenamtlich engagiert, über viele Jahre vor allem im pädagogisch-schulischen Bereich, im Hamburger Verein der Oberlehrer, für den er von 1919 bis 1924 - seit 1921 unter dem neuen Namen Philologenverein - auch den Vorsitz übernahm. Seit 1920 saß er der Vereinigung Aufbau vor, die in Folge der Revolution zur "Abwehr schulpolitischen Radikalismus" gegründet worden war und eng mit Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens zusammenarbeitete (heute: Landesverband der GEW). Körner gehörte zu den wichtigen Hamburger Reformpädagogen der Weimarer Zeit. Als gewähltes Mitglied der Lehrerkammer vertrat er überdies die höheren Schulen in der Deputation der Oberschulbehörde und war - wie früher Meht - 1922 bis 1933 ebenfalls Mitglied im Beamtenrat.

Als Körner am 1. Mai 1929 zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde, trat er in dieser ältesten und berufsfeldübergreifenden Selbsthilfeorganisation des Hamburger öffentlichen Dienstes ein im doppelten Sinne gewichtiges Erbe an: mit beeindruckenden 19.338 (Ende 1928) Mitgliedern einerseits und mit einem Defizit von 400.000 Mark andererseits. Da dies kein Vorgriff auf die im Oktober begonnene Weltwirtschaftskrise sein konnte, ist ein solch eklatantes Loch in der Kasse erklärungsbedürftig. Wie groß es wirklich war, kam aber erst während einer Gerichtsverhandlung im September 1932 zum Vorschein. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um wirklich skandalöse Vorgänge handelte, die sich offenbar am Vereinsvorstand vorbei in den fünf Jahren vor Körners Amtsantritt zugetragen hatten und ausgerechnet vom 2. Schatzmeister des Vereins ausgingen.

(Fortsetzung folgt)

Lese-Raum im Planetarium (1930), Foto: (c) Hamburger Fremdenblatt (12.4.1930), S. 20
Lese-Raum im Planetarium (1930), Foto: (c) Hamburger Fremdenblatt (12.4.1930), S. 20

Fundstück: Lese-Raum im Planetarium (1930)


Unauffälliger kann die Ansicht eines Lese-Raumes kaum sein, mit der 1930 eine spektakuläre "Bildersammlung" beworben wurde. Der Anblick täuscht. Tisch und Stühle nämlich verweisen auf die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg, die Renaissance- Truhe mit Planetenbildern stammt aus dem Museum für Kunst & Gewerbe, die hamburgischen Kometenblätter sind Leihgaben sowohl der Staatsbibliothek, des Staatsarchivs wie auch des Museums für Hamburgische Geschichte. Es ist somit eine elektrisierende KonSTELLAtion, die dieses Bild 1930 zur Eröffnung des Planetariums unter der Leitung des ersten Vorsitzenden des Vereins repräsentiert - im Zusammenspiel mit den hamburgischen Institutionen der letzten Streifzüge.

1 https://stadtkuratorin-hamburg.de
2 St.: Das Planetarium, in der HBZ 31 (24.5.1930), Nr. 5, S. 153.


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Autor: Myriam Isabell Richter

HBZ · 07/2026
 
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