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Geschichten aus Hamburgs Geschichte
Böser Zauber
Zeichnung: (c) Ruprecht / stahlpress Medienbüro
Abelke Bleken wurde Ende des 16. Jahrhunderts in Ochsenwerder als "Hexe" verbrannt
Zwischen 1444 und 1642 wurden in Hamburg mehr als 70 Menschen als "Hexen" verbrannt. Eine von ihnen war im Jahr 1583 die Bauerntochter Abelke Bleken. Sie soll Rinder mit "Rattenkraut" totgezaubert haben und wurde wegen "Schadenzauber" und "Teufelspakt" zum Tod durch das Feuer verurteilt.
Ein gut dokumentierter Fall
Abelke Bleken war eine Schönheit, einziges Kind wohlhabender Bauern - und der Schwarm der männlichen Jugend in Ochsenwerder, das seit 1395 zu Hamburg gehört. Der jungen Frau schien eine glorreiche Zukunft beschieden, doch sie endete am 18. März 1583 nach grausamer Folter als sogenannte Hexe auf dem Scheiterhaufen.
Dass ihr trauriges Schicksal nicht vergessen ist, verdanken wir der einzigen erhaltenen "Urgicht" aus der Geschichte der Hamburger Hexenprozesse. Laut einem durch "peinliches Verhör" - sprich: Folter - am 7. März 1583 erpressten Geständnis hatte die Bauerntochter aus der Marschenlande zugegeben, "dass sie sich dem Satan mit Namen König Belsamer ergeben hat, der ihr gesagt hat, wenn sie Böses tun wolle, solle sie bei ihm Rat suchen".
Auf der Streckbank löste sich die Zunge der Gepeinigten. Unter unvorstellbaren Schmerzen bekamen die als "Büttel" bezeichneten Folterknechte zu hören, was sie wollten. Bei dem Gesagten handelte es sich um nichts anderes als im Marterwahn herausgepresste Fantastereien: Ja, sie habe eine "Buhlschaft", also Sex, mit dem Teufel gehabt, mit den ebenfalls angeklagten Geseke Schwormstedt und Peter Wenten Schadenzauber betrieben und dem verhassten Ratsherrn Johannes Huge Kälber und Ochsen mit "Rattenkraut" totgezaubert. Auch sei sie verantwortlich für das Hinscheiden der Frau des Vogtes Gladiator, die ihr den von deren Ehemann gepfändeten Kessel nicht habe zurückgegeben wollen. Laut Geständnisprotokoll habe Abelke "im Haus des Vogtes eine Katze mit einem Stock in aller Teufel Namen totgeschlagen, das Katzengehirn in Kohl und Warmbier gelegt, davon der Frau gegeben, die auch am dritten Tag krank geworden und bald danach gestorben sei".
Seit 2015 gibt es den Abelke-Bleken-Ring in Ochsenwerder, Foto: (c) stahlpress Medienbüro
Der Hintergrund der Geschichte lässt ein gesellschaftliches Komplott vermuten: 1577 musste die Hofeigentümerin Abelke Bleken aus finanzieller Not ihr neun Hektar großes Anwesen am Norderdeich an den Ratsherrn Huge verkaufen. Als Ursache der finanziellen Misere vermutet die Historikerin Roswitha Rogge die verheerenden Folgen der Allerheiligenflut von 1570. Bleken sei nicht mehr in der Lage gewesen, das Grundstück zu unterhalten und den Deich zu pflegen. Schließlich pfändete der Landvogt Dirck Gladiator auch noch Albekes wertvollen Kessel, dessen Rückgabe die Verarmte bei der Ehefrau des Vogts vergeblich erbat. Als später Rinder einiger Bauern verendeten und Gladiators Gattin überraschend starb, keimte der Verdacht auf: Das ist Abelkes Rache! Der "Sündenbock" war gefunden!
Leider nur eine von vielen
"Abelke Blekens Schicksal ist prototypisch für viele Frauen, die während der frühen Neuzeit denunziert, angeklagt und verhört wurden und schließlich gestanden, mit dem Teufel im Bunde zu stehen", sagt die Historikerin Dr. Roswitha Rogge, die die Hexenverfolgung in Hamburg zusammen mit ihrer Kollegin Heidi Staschen erforscht hat. Das städtische Recht habe im 16. Jahrhundert die von der Kirche entwickelten Vorstellungen von der Frau als Teufelsanhängerin in weltliches Strafrecht transformiert.
Auch der Reformator Martin Luther forcierte den Aberglauben. In einer 1526 in Wittenberg gehaltenen Predigt verkündete er, es sei ein "überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an". Zu diesem Zeitpunkt hatte Luthers Lehre bereits Einzug in Hamburg gehalten. 1529 wurde unter Federführung des Reformators Johannes Bugenhagen eine neue Kirchenordnung erlassen, in deren Folge die Anklagen wegen Schadenzauber stark zunahmen. Von 1444 bis 1521 hatten in Hamburg "nur" sechs Menschen wegen angeblicher Hexerei ihr Leben verloren - fünf Frauen und ein als Hebamme verkleideter Mann. Das erste in den "Kämmereirechnungen" dokumentierte Opfer ist die "Zauberin" Katherina Hanen, die den Feuertod starb. Die Stadtkasse erstattete dem Büttel Johann Prangen die ihm im Jahr 1444 für die Beschaffung von Pech und Holz entstandenen Kosten - acht Schillinge. Nach Hanen ist heute im Hamburger Stadtteil Rissen eine Straße benannt.
Seit 1555 ist die Anwendung der Folter aktenkundig. Bis 1738 wurden in der Hansestadt laut Deutschem Hexendokumentationszentrum mindestens 101 Verfahren gegen mutmaßliche Hexen und Zauberer geführt und 74 Personen hingerichtet. Sieben starben während der Haft in der Fronerei. Das nachweislich letzte Opfer war Cilie Hemels (Cillie Hempels), die wegen "Abfalß von Gott, ihrer Zauberei und gegen ihren eigenen Mann begangene Mordthat" am 29. August 1642 in der Hansestadt gerädert und lebendig verbrannt wurde.
Straßenname und Buch
Der Fall der Abelke Bleken ist der am besten dokumentierte. Seit 2015 erinnert ein Straßenname in einem beschaulichen Neubaugebiet in Ochsenwerder unweit ihres früheren Hofes an das traurige Schicksal der Frau. 2023 setzte die Schriftstellerin Jarka Kubsova mit dem Roman Marschenlande ihr ein literarisches Denkmal.
Autor: Volker Stahl
HBZ · 10/2025
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