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Letzte Wege mal anders

Besondere Bestattungsarten in Hamburg

Foto: Sven Lachmann, Pixabay.com
Foto: Sven Lachmann, Pixabay.com

Zugegeben, es gibt charmantere Themen als mögliche Arten der Beerdigung, aber irgendwann kommt das Thema auf uns alle zu und wer glaubt, es gäbe nur die bekannten Bestattungsarten, hat sich getäuscht.

Oder wussten Sie, dass man sich in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof gemeinsam mit seinem Haustier beisetzen lassen kann? Oder als Baum weiterleben kann? Wir haben uns mit Nathalie Jess, Bestattermeisterin des GBI, über die besonderen Bestattungsarten unterhalten.

Ungewöhnliche Wege und Rituale

Die Bestattungskultur erfährt seit einiger Zeit einen Wandel, der sich mehr nach den individuellen Wünschen richtet. Das beginnt schon bei der Überführung des Sarges, die anstelle im Auto für Romantiker und Pferdefreunde auch in einer Kutsche oder für Biker im Anhänger eines Motorrads erfolgen kann. Auch traditionelle Bestattungen bieten individuelle Rituale, wie die Freilassung von Schmetterlingen bei der Urnenbeisetzung oder ein ausgesägtes Herz im Sarg.

Gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier

Das eigene Haustier ist Familienmitglied, Freund und Gefährte. Die Hamburger Bürgerschaft hat im Oktober 2019 einem von Haustierhaltern lang gehegten Wunsch entsprochen und ein Gesetz verabschiedet, das die gemeinsame Beisetzung von Mensch und Tier erlaubt. Das bundesweit gültige Gesetz schreibt zwar vor, dass normale Friedhöfe nur für Menschen zu nutzen sind, aber Tiere können als Grabbeilage betrachtet werden, wie es dann auch im hamburgischen Gesetz vermerkt ist. Die Hunde oder Katzen werden hierfür eingeäschert und in Urnen überführt. Der erste Friedhof, der einen Gemeinschaftsgarten für Mensch und Tier für Erd- und Urnenbestattungen bietet, ist der Ohlsdorfer Friedhof. Hier gibt es die Möglichkeit, mehrere Haustiere zu Lebzeiten ihres Besitzers oder nach dessen Tod nachträglich mit ihm beizusetzen.

Lebensbaum- und Waldbestattung

Bei der Tree-of-Life-Baumbestattung wird die Asche in ein Vitalerde-Substrat- Gemisch gegeben. In diese besondere Erde wird dann ein Baum gepflanzt, den man sich vorher aussuchen kann. Sobald er genug gewachsen ist, wird er von der niederländischen, tschechischen oder schweizerischen Baumschule (in Deutschland ist es noch verboten) an den Bestatter gesendet, der den Hinterbliebenen den Baum übergibt, damit sie ihn an einem eigenen Gedenkplatz, im Garten, in einem Naturschutzgebiet oder einem Bestattungswald pflanzen können.

Eine weitere Variante der Baumbestattung ist die Waldbestattung. Nach der Einäscherung wird eine Natururne in einem Friedhofswald zwischen den Wurzeln des Lieblingsbaums beigesetzt. Auf Wunsch können auf den Bäumen Namensschilder angebracht und Familienbäume für mehr als eine Bestattung innerhalb einer Familie genutzt werden.

Zudem gibt es noch die Möglichkeit der Almwiesenbestattung, bei der auf Wunsch direkt neben einem Edelweiß beigesetzt wird. Die Beerdigungsinstitute bieten eine Überführung der Asche an.

Seebestattung

War es früher noch so, dass man einen Bezug zur Seefahrt nachweisen musste, kann sich heute jeder Hamburger für diese Art der Bestattung entscheiden. Dabei wird eine spezielle Seeurne mit der Asche des Verstorbenen von einer konzessionierten Seereederei weltweit in ausgewählte Gebiete im Meer gebracht und dort beigesetzt.

Diamantbestattung

Der Diamantbestattung geht eine Einäscherung voraus. Dann wird aus einem Teil der Asche eine geeignete Menge an Kohlenstoff isoliert, aus der einer oder mehrere Rohdiamanten in Rot, Natur oder Blau hergestellt und per Hand geschliffen werden. Die Diamantengröße kann man sich aussuchen. Die nicht zur Herstellung verwendeten Reste der Asche werden üblicherweise in einem Urnengrab bestattet.

Wind- und Luftbestattung

Bei der Windbestattung wird die Asche auf einer vorgesehenen Fläche verstreut und der Wind trägt sie zum letzten Ruheort. Diese Art der Bestattung ist derzeit in Hamburg noch nicht möglich, weswegen für den Transport in andere Bundesländer zusätzliche Kosten anfallen. Mehr zusätzliche Kosten fallen bei einer Luftbestattung an, da diese derzeit nur im Ausland möglich ist. Dabei wird die Asche des Verstorbenen aus einem Flugzeug, einem Hubschrauber oder Heißluftballon in der Luft verstreut.

Gespendet, ökologisch oder im Weltall?


Natürlich besteht die Möglichkeit, zu Lebzeiten zu verfügen, dass der eigene Körper an ein Anatomie-Institut zu Lehrund Anschauungszwecken gespendet wird. In der Regel verfügt jedes Institut über ein eigenes Gräberfeld, auf dem im Anschluss die Bestattung erfolgt.

Bei der Promession handelt es sich um eine neue ökologische Alternative zur Kremation, bei der der Körper gefriergetrocknet, pulverisiert und in einem abbaubaren kleinen Sarg beigesetzt wird. Dieser ist innerhalb von einem halben Jahr vollständig abgebaut. Derzeit gibt es die Promession nur in Schweden, aber sie wird immer populärer.

Gar nicht ökologisch ist die Weltraumbestattung. Bei dieser teuersten und umweltschädlichsten Beisetzungsart wird eine mit Asche befüllte Mikrokapsel gemeinsam mit anderen Kapseln an Bord einer Trägerrakete in das Weltall geschossen. Die übrige Asche wird üblicherweise in einem Urnengrab bestattet.

Es gibt heute viele Wege, eine Bestattung nach den individuellen Wünschen zu gestalten. Auch Sonderwünsche, die hier nicht aufgeführt wurden, sind oft (gegen Aufpreis) möglich.

Autor: VHSt

HBZ · 04/2020
 
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