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Hammonia

Allegorie einer Schutzpatronin

Das Mosaik der Schutzpatronin Hammonia über dem Rathausbalkon
Das Mosaik der Schutzpatronin Hammonia über dem Rathausbalkon

Hammonia ist eine in der hanseatischen Stadtgeschichte entstandene Bezeichnung für die Stadt Hamburg. Als Stadtpatronin prägte sich die Hammonia in die Gedanken der Menschen ein und ist seitdem das Bildnis für Hamburg.

Um die tiefe Liebe und Verbundenheit mit ihrer Stadt auszudrücken, wählten zahlreiche Hamburger Vereine, Institutionen oder Unternehmen ihre Schutzgöttin im Zusammenhang mit Namensgebungen. Einige Beispiele hierfür sind das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Hammonia-Bads in Uhlenhorst, der Ruder-Club Hammonia oder die Hamburger Fußball-Landesligastaffel Hammonia. Die Hamburger Reederei Hapag Lloyd benannte im 19. Jahrhundert ganze Schiffsklassen nach ihr, die auf der Nordatlantikroute eingesetzt wurden.

Namen wie Schall und Rauch

Ursprung und Entstehung des Städtenamens Hamburg und der Hammonia reichen lange zurück und berufen sich auf verschiedene Begriffserklärungen. Eine urkundliche Erwähnung Anfang des 9. Jahrhunderts verweist erstmals auf den Stadtnamen Hamaburg, der vermutlich auf die im Jahr 845 zerstörte Festung Hammaburg zurückgeht. Das im 8. Jahrhundert errichtete Bauwerk stand auf dem heutigen Domplatz am Speersort, nur einen Steinwurf von unserem Vereinsbüro entfernt.

In Altniederdeutsch bezeichnet das Wort "Hamme" ein bewaldetes Gebiet innerhalb eines Marschlandes an einem Flussufer. Im Laufe der kulturellen und sprachlichen Entwicklung erfuhr der Stadtname allerlei Varianten. So entstanden zur Zeit des Mittelalters Begriffe wie "Hammenburg" oder "Hamborg". Eines der ersten Stadtsiegel weist den Namen Hammenburch auf. Neben den niederdeutschen Sprach- und Namensgebungen gesellten sich lateinische Bezeichnungen hinzu. Im Zeitalter des Humanismus war nach derartigen Bezeichnungen wie "Hammonis Castrum" oder der Burg des Hammon die spätere Hansestadt nach dem römischen Gott Jupiter benannt.

Spätestens nach der Reformationszeit waren all diese verschiedenen und teilweise historisch haltlosen Herleitungen nur Schall und Rauch. Nicht so der Wunsch der Hamburger Bevölkerung nach einer städtischen Identifikationsfigur, die schützend ihre Arme über der Stadt ausbreitet. Auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1624 wurde Hamburg erstmals als Frauengestalt dargestellt. Ein solches Bildnis ist in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder auf verschiedenen Kartografien oder städtischen Ansichten zu entdecken. Als im Jahr 1710 die Senatsposten der Stadt neu verteilt wurden, nannte der Dichter Barthold Brockes während der Feierlichkeiten die städtische Schutzgöttin erstmals beim Namen: Hammonia.


Die Hammonia-Skulptur des Bildhauers Jörg Plickat ersetzt seit 2003 die ursprüngliche von Aloys Denoth, die von 1888 bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Brooksbrücke der Speicherstadt schmückte

Sehnsüchtige Verklärung

Seit der Geburtsstunde der Schutzpatronin Hamburgs wurde das Bildnis der Hammonia immer klarer. Die Frauengestalt trägt eine Mauerkrone und wird mal mit einem Wappenschild, mal mit einem Hermesstab oder anderen für Schutz und Führung stehenden Symbolen dargestellt - ganz in der Tradition antiker Stadtgöttinnen. Auf einem Mosaik über dem Portal des Hamburger Rathauses sitzt die Hammonia mit ihrer Mauerkrone, einen Kranz aus Eichenblättern in der rechten und ein Steuerrad in der linken Hand haltend.

Auf vielen Hamburger Medaillen oder Münzen taucht die Figur immer wieder auf. Auch aus der Literatur ist sie kaum mehr wegzudenken. Hammonias schützende Wachsamkeit und Friedensliebe wurden schon im frühen 18. Jahrhundert beispielsweise in den von Georg Philipp Telemann für Festlichkeiten der Hamburger Bürgerwehr komponierten Bürgerkapitänsmusiken thematisiert.

Auch der Dichter Heinrich Heine schrieb über die städtische Göttin, als er in seinem 1844 erschienenen satirischen Versepos "Deutschland, ein Wintermärchen" die Begegnung mit der Hammonia skizzierte. Im Jahr 1828 entstand die Hamburger Hymne "Stadt Hamburg an der Elbe Auen", die auch "Hammonia" genannt wird. Zum Text des Hamburger Schriftstellers Georg Nikolaus Bärmann komponierte Albert Methfessel ein zeitgeschichtliches Liedstück. Hierin heißt es unter anderem: "Hammonia, oh wie herrlich stehst Du da."

Quellen: Landeszentrale für politische Bildung; Die Chronik Hamburgs, v. E. Schütt, Harenberg, 1991; Staatsarchiv Hamburg; Archäologisches Museum Hamburg; Mythos Hammaburg, v. R. Wess u. A. Klammt, 2014, AMH

Autor: Samira Aikas
Fotos: Samira Aikas

HBZ · 03/2022
 
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