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Wasserstrasse zwischen Nordsee und Ostsee

Idylle am Alten Eiderkanal

Von der Ostsee zur Nordsee auf dem kürzesten Weg zu kommen, das war schon seit Wikingerzeiten ein Traum. Denn dadurch sparte man sich die gefährliche und lange Fahrt durch den Skagerrak.

Nicht umsonst hat die Jammerbucht südlich von Skagen wegen der vielen Schiffbrüche ihren Namen bekommen. Überwiegende Winde aus West, schlecht messbare Strömungen, schlechte Sicht und Nebel, schwere westliche Stürme und der Mangel an hilfreichen Seezeichen waren fast bis in unsere Zeit die Feinde der Seeleute.

Kein Wunder also, dass seit Jahrhunderten nach Alternativen gesucht wurde, Skagen zu vermeiden. 1784 war es soweit. Der als Schleswig-Holsteinischer Canal erbaute Eider-Kanal verband bis 1890 die Kieler Förde bei Holtenau mit den natürlichen Flusslauf der Untereider bei Rendsburg. Der Kanal bildete für die Schifffahrt zusammen mit der Eider eine Wasserstraße zwischen der Nordsee und der Ostsee. Er galt bis zur Fertigstellung des Nord-Ostsee-Kanals 1895 als modernste und meistbenutzte künstliche Wasserstraße Europas und er war der erste Kanal der Welt, den auch seegehende Schiffe befahren konnten.

Der erste Wasserweg quer durch Schleswig-Holstein

Der Vorgänger des heutigen Nord-Ostsee-Kanals als bedeutender Wasser- und Handelsweg war ein technisches Wunder! Bis zu 2.600 Menschen arbeiteten an dem Ausbau des 34 Kilometer langen Kanals mit seinen Treidelpfaden und den sechs Schleusen, mit seinen Packhäusern in Holtenau, Rendsburg und Tönning und den schönen alten Brücken holländischer Bauart. Er hatte eine Länge von 43 km, davon 34 km Grabungsstrecke, eine Sohlenbreite von 18 m und eine Tiefe von 3,45 m.

Bereits 1571 plante Herzog Adolph I. einen Kanal, um Kiel mit der Eider zu verbinden, jedoch bildete die Zersplitterung Schleswig-Holsteins in Besitzungen Dänemarks und Holstein-Gottorp ein unüberwindliches politisches Hindernis. Nach der Eingliederung Holstein Gottorps in den dänischen Gesamtstaat (im Tausch gegen die Grafschaft Oldenburg 1773) war eine grundlegende geopolitische Voraussetzung für den Kanalbau und seinen Betrieb gegeben.

Baugeschichte Eiderkanal: 1774 wurde eine Kanalkommission eingesetzt. Sie prüfte mehrerer Trassen mit dem Ziel, die Unterelbe und Kiel zu verbinden. Aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen fiel der Entscheid für die Trasse "Levensau-Eider-Line” von Holtenau über Flemhuder See nach Rendsburg, dann Verlauf Obereider bis Tönning als "Schleswig-Holsteinischer Kanal”.

Die Bauarbeiten ab 1777 gestalteten sich schwierig, da in weiten Abschnitten in feuchten Niederungen gegraben werden musste. Die bis zu über 2.600 Arbeiter stammten überwiegend aus der Kremper- und Wilstermarsch, Lübeck und dem Königreich Hannover. Die Arbeiten wurden zunächst Privatunternehmern übertragen, die - teils unverschuldet - ihren Verpflichtungen nicht nachkamen, so dass 1782 die Regierung den Bau in eigene Regie nahm.

Die Schleusen waren die besten ihrer Zeit und gelten als die bedeutendsten Ingenieursleistung des Kanals. Die Bauausführung erfolgte nach holländischem Vorbild. Der Kanal besaß sechs Schleusen: Holtenau, Knoop und Rathmannsdorf hoben den Wasserlauf; Königsförde, Kluvensiek und Rendsburg senkten ihn auf das Niveau der Untereider. Dabei wurden die Schiffe jeweils um etwa 2,5 m gehoben oder abgesenkt. Mit Ausnahme der Rendsburger Schleuse, die nur eine Schiffsschleuse aufwies, besaßen die Schleusen zwei Kammern, eine Schiffsschleuse und eine Freischleuse.

Jede Schiffsschleuse hatte eine Abmessung von 35 x 7,8 Metern und konnte Schiffe bis zu 160 t Ladegewicht aufnehmen. Die Freischleuse besaß eine Breite von 4,9m und diente der Regulierung des Wasserstandes im Kanal.

Die Schiffe auf dem alten Eiderkanal: Die gängigsten Schiffstypen kamen aus den Niederlanden, denn die Niederländer stellten das Gros der Nutzer. Schleswig-Holsteinische Werften am Kanal modifizierten deren Schiffstypen. Besonders Nübbel bei Rendsburg erreichte als Schiffbauplatz Bedeutung mit bis zu fünf Werften.

Die Dampfschiffahrt erlangte nur geringe Bedeutung. Ab 1885 verkehrte ein maßgeschneiderter Dampfer "Kanal" im Stückgutverkehr nach Hamburg. An beiden Ufern des Kanals waren Treidelpfade angelegt. Pferdestationen gab es in Holtenau, Landwehr, Kluvensiek und Rendsburg. Kleine Schiffe wurden von ihren Besatzungen getreidelt, Schiffe über 10 Commerzienlasten (ca. 25 Tonnen) mussten mindestens ein Gespann nehmen. Je nach Größe des Schiffes wuchs die Zahl der Pferde auf vier bis sechs pro Gespann.

Die Fahrt von Holtenau nach Tönning dauerte 3 bis 4 Tage. Dampfschiffe benötigten später 15 Stunden. Schiffe mit mehr als 25 Commerzienlasten waren lotsenpflichtig, kleinere Schiffe durften ohne Lotsen segeln, mussten aber das halbe Lotsengeld zahlen.

Gezahlt wurde nach Tiefgang, nicht nach Länge der Reise. Der Lotse war nicht nur für die Navigation, sondern auch für die Einhaltung der Zollvorschriften verantwortlich.

Was wurde transportiert? Nach Westen dominierten Landwirtschaftliche Produkte, wie Getreide, Saaten, Rübenöl, Kartoffeln. Baustoffe, wie Holz, Dach- und Ziegelsteine. Aus Russland kamen Leinen, Holz, Flachs, aus Schweden Eisen, Stahl, Teer und getrocknete Fische. Nach Osten waren es in erster Linie Waren aus Übersee, wie Zucker, Rum, Branntwein, Kaffee, Tabak, Reis, Rosinen, Tee und Essig. Oder Salpeter, Zink, Hanf und Pech. Gebühren fielen als Zoll an: Inländische Waren waren vom Kanalzoll befreit. Für alle anderen Waren betrug der Satz durchschnittlich 1,5% vom Warenwert. Darüber hinaus waren Lotsgelder fällig.

Bis 1830 liefen über 94.000 Schiffe durch den Kanal. Von 1820 bis 1840 über 2.600 und 1872 sogar über 5.000. Insgesamt haben fast 300.000 Schiffe in 101 Jahren den Kanal genutzt.

Für moderne Dampffrachter wurde er jedoch zu klein. Damit nahm die Fracht ab, und der Kanal verlor seine Bedeutung. Ihn ersetzte 1895 der Nord-Ostsee-Kanal.

Vom historischen Wasserweg ist noch einiges erhalten geblieben. Heute zeugen u.a. noch drei verträumte, alte Schleusen, ein paar Kilometer Wasserlauf in der idyllischen Landschaft an der Ostküste Schleswig-Holsteins -als Reste des Eiderkanals oder, wie er ursprünglich hieß: Schleswig- Holsteinischer Kanal, teilweise restauriert und unterhalten vom Canal-Verein. Und doch sind diese Fragmente die Überbleibsel des ersten Kanals der Welt, den seegängige Schiffe befahren konnten, ein technisches Meisterwerk in seiner Zeit - und der Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals, der heute zwischen Kiel und Rendsburg in weiten Teilen die alte Trasse seines Vorläufers nutzt.

Die Schleusenanlage und die Kanalabschnitte sind heute ein attraktives Ziel zahlreicher Touristen und Ausflügler aus Deutschland und Dänemark.

Autor: VHSt (Quelle: Canal-Verein e.V/Tourist Info NOK)
Fotos: Dietrich Severin

HBZ · 01/2017
 
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