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Kooperation par excellence im Bildungshaus
Ein Bildungsleuchtturm in Lurup
Zwischen den Hochhäusern am Lüdersring in Lurup leuchtet es bunt. Farbenfrohe Mosaike schmücken den Eingangsbereich der Kita Moorwisch und eine Telefonzelle, die als Schaufenster einer Spielzeug-Tauschbörse dient, zieht im Vorgarten die Blicke auf sich.
Es herrscht reges Treiben, Kinder spielen, Eltern treffen sich. Ganz normaler Alltag in einem Teil des Bildungshauses Lurup, eines Leuchtturmprojektes in der Hamburger Bildungslandschaft, zu dem auch die nebenan gelegene Grundschule Langbargheide gehört.
Die Idee des Bildungshauses leuchtet sofort ein, doch erstaunlicherweise ist das Konzept bislang einzigartig, zumindest in Hamburg. Dort kann jedes Kind von der Krippe bis zum Ende der Grundschulzeit in einer Einrichtung nach seinen Bedürfnissen lernen und wachsen. Die Eltern werden aktiv einbezogen und auch sozialräumliche Partner wie das Stadtteilkulturzentrum, der Nachbarschaftstreff, Vereine und Beratungsstellen sind entweder direkt am Bildungshaus angedockt oder eng mit ihm vernetzt.
Für seine erfolgreiche Arbeit erhielt das Bildungshaus bereits mehrere Preise, unter anderem 2018 den Senator-Neumann- Preis der Stadt Hamburg. Nun hat die Einrichtung den zweiten Platz in der Kategorie Lokale Bündnisse für frühe Bildung des Deutschen Kitapreises gewonnen. In der Begründung der Jury heißt es: "Das Bündnis zeigt, wie durch die enge Verzahnung der Institutionen Krippe, Kita und Grundschule sowie frühe Hilfen Chancengleichheit hergestellt werden kann." Die Jury hebt besonders hervor, dass die Fachkräfte verbindliche Anker- und Ansprechpersonen für die Kinder über einen langen Zeitraum sind. Die Auszeichnung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ist insgesamt mit einem Preisgeld von 130.000 Euro dotiert.
Als Ulrike Kloiber 2006 aus Hessen kam, um die Leitung der Kita Moorwisch in Lurup zu übernehmen , überzeugte sie das Hamburger Wahlmodell für das Vorschuljahr nicht: "Viele Eltern sind verunsichert, ob das eigene Kind besser noch ein Jahr in der Kita aufgehoben ist oder ob die Vorbereitung auf den Schulalltag eher in der Vorschule gelingt, die die Grundschule anbietet." Kloiber denkt, dass institutionelle Interessen keine Rolle spielen dürfen, wenn es um die bestmögliche Förderung von Kindern geht. Im Klartext: Für Konkurrenzdenken zwischen Kita und Schule ist kein Platz.
Ein gemeinsames Vorschulkonzept musste her, das sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert, sie stärkt und fit macht für die Herausforderungen des Lebens. Das gelang mit Annette Berg, Leiterin der Grundschule Langbargheide. In ihr fand Ulrike Kloiber eine engagierte Kooperationspartnerin für Projekte über den Tellerrand der eigenen Institution hinaus. Und so feierten die Kita in Trägerschaft der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und die staatliche Grundschule 2007 eine symbolische Bildungshaushochzeit, "mit Frack, Zylinder und allem, was dazugehört", sagt Kloiber.
Die Leitidee des Bildungshauses: Das Kind steht im Mittelpunkt. Und zwar jedes einzelne. Für jedes Kind, das die Einrichtung besucht, erstellen Erzieher, Pädagogen und andere Fachkräfte einen individuellen Entwicklungsplan. "Die Schule kennt die Kinder schon, bevor sie kommen", sagt Ulrike Kloiber und erläutert: "Es gibt in der Kita zweimal jährlich Elternsprechtage, an denen die Eltern genau über den Entwicklungsstand der Kinder informiert werden." Gibt es zum Beispiel Sprachdefizite - in Lurup wächst der Großteil der Kinder mit mehr als einer Sprache zu Hause auf -, bieten Pädagogen der Grundschule rechtzeitig vor Schulbeginn Förderung an, bei Bedarf auch für die ganze Familie.
Wie individuell und detailliert die Beobachtung der Mädchen und Jungen im Schulalltag ist, zeigt ein Blick auf die kleinen Zettel mit Lernzielen, die an den Arbeitsplätzen von Erst- und Zweitklässlern kleben. Auf Janas Zettel steht: "Ich übe lesen und halte Ordnung." Ryan soll an der Straße besser aufpassen, ob ein Auto kommt, und seinen Namen schreiben üben. Furkan soll langsamer arbeiten und aufpassen.
"Schule muss kindfähig sein, nicht andersherum", so Kloiber. Um jedem Kind gerecht zu werden, bedeutet das für die pädagogischen Fachkräfte, die Abläufe und Aufgabenbereiche zwischen den Institutionen eng zu verzahnen. Jeder soll den Kindern an jeder Stelle Hilfestellung geben können. Das erfordert neben viel Engagement und der Überzeugung, das Richtige zu tun, eine gute Struktur, viel Kommunikation und Organisation. Aber die Anstrengung lohnt sich für alle Beteiligten: "Schulabstinenz ist hier kein Thema mehr und unsere Jugendlichen machen später mehr mittlere Abschlüsse. Die Zahl der ersten Bildungsabschlüsse ist zurückgegangen", sagt Ulrike Kloiber.
In Lurup spielt das Bildungshaus längst eine wesentliche Rolle im Stadtteilgeschehen. Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote für alle Altersgruppen und Anwohner finden dort statt, Beratungsstellen bieten Sprechstunden an, Vereine und Institutionen vernetzen sich für gemeinsame Projekte wie das Musikfestival "Rock am Lüdersring". Für das ganze Viertel gilt: Von der Kooperation profitieren alle.
Fotos: © Bildungshaus Lurup, Christine Weiser
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Autor: VHSt
HBZ · 07/2019
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