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100 Jahre: Prallvoll. Fabelhaft. Multibunt.

Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen


Rund 4,9 Millionen Besucher und ebenso viele Onlinenutzer besuchen derzeit die Zentralbibliothek, 32 Stadtteilbücherhallen, zwei Bücherbusse und das moderne Onlineverleih- und Informationsportal der Bücherhallen.

Das macht die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen zum größten deutschen öffentlichen Bibliothekssystem. Unter dem Motto "Prallvoll. Fabelhaft. Multibunt." feiern sie 2019 ihr 100. Jubiläumsjahr.

Spiegelbild der Identität Hamburgs

Vor 120 Jahren stellte die Patriotische Gesellschaft von 1765 nach dem Vorbild der englischen Public Libraries der Öffentlichkeit die ersten 6.000 Bücher in den Kohlhöfen zur Verfügung. Zuvor war vergeblich versucht worden, den Hamburger Senat dazu zu bewegen, der Allgemeinheit und insbesondere der arbeitenden Bevölkerung Zugang zu Literatur und Alltagsbildung zu verschaffen. Weitere fünf Bücherhallen wurden in anderen Stadtteilen eröffnet. Um die FHH zu veranlassen, die Bücherhallen dauerhaft zu finanzieren, gründete die Patriotische Gesellschaft am 14. August 1919 die Stiftung Öffentliche Bücherhalle, die ihr Ziel nach langen Debatten in Senat und Bürgerschaft Anfang 1920 erreichte.

Verlust und Aufschwung

In der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs gingen über 700.000 Bände verloren. Sechs Bibliotheken wurden zerstört, sodass bei Kriegsende der Bestand auf 160.000 Titel reduziert war. Doch das Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf und mit ihm der kulturelle Anspruch der Deutschen. Schon Mitte der 1950er- Jahre verfügte Hamburg wieder über 23 gut ausgestattete Stadtteilbibliotheken und eine musikalische Bücherei.

1971 verlegte die hanseatische Zentralbibliothek ihren Hauptsitz von den Kohlhöfen in das Gebäude der Landesbank- Galerie am Gertrudenkirchhof. Mitte der 1980er-Jahre wurde die Kaisergalerie in den Großen Bleichen zur zentralen Stelle. Kurz darauf hatten die Hamburger Bücherhallen ihre Hochzeit erreicht: Neben der Hauptstelle und der Musikbücherei gab es nun 59 Büchereien in den Stadtteilen, 82 weitere, teils ehrenamtlich oder nebenberuflich betreute Buchausgabestellen sowie drei Büchereibusse. Bevor im Jahr 2004 die neue Zentralbibliothek zum Hühnerposten in die unmittelbare Umgebung des Hauptbahnhofs zog, hatte es etliche budgetbedingte Änderungen gegeben. Einen gesunden Schrumpfungsprozess, der nötig war und die Zukunftsfähigkeit sicherte, nannte die langjährige Bibliotheksdirektorin Hella Schwemer-Martienßen diesen Einschnitt bei der Pressekonferenz im Rathaus. Trotzdem haben sich die Hamburger Bücherhallen zu einem der modernsten Bibliothekssysteme entwickelt.

Neue Leitung im Jubiläumsjahr

Gleichzeitig mit dem 100. Jubiläum der Stiftung findet auch ein Generationenwechsel in den Hamburger Bücherhallen statt: Hella Schwemer-Martienßen ging Ende August 2019 nach 25 Jahren im Dienst als Bibliotheksdirektorin in den Ruhestand. Zuvor wurde sie für ihre außerordentlichen Dienste beim Senatsempfng mit der Senator-Biermann-Ratjen- Medaille ausgezeichnet. Die Aufgabe, die Hamburger Bücherhallen auch weiterhin zukunftsfähig zu halten und neuen Gegebenheiten anzupassen, übernimmt nun Frauke Untiedt.

Riesengroßer Kulturbetrieb

Jeder achte Bürger besitzt eine Kundenkarte und rein rechnerisch besucht jeder Hamburger zweieinhalbmal im Jahr eine Bücherhalle. Mit insgesamt rund 32.000 Quadratmetern sind die Bücherhallen nicht nur der größte Kulturbetrieb der Hansestadt; auch die mehr als 20.000 jährlichen Veranstaltungen sind ein absoluter Rekord. Zahlreiche Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Aufführungen sind nur einige Beispiele für das anspruchsvolle Kulturangebot. Verbunden mit der Eingliederung von über 600 ehrenamtlichen Helfern in der Tochterfirma Bücherhallen Medienprojekte gGmbH wird die Lese-, Sprach- und Medienkompetenz von Senioren, Menschen aus anderen Herkunftsländern und Kindern in Projekten wie "Medienbote" und "Dialog in Deutsch" gefördert. Zudem unterstützen die Bücherhallen Vereine wie "Mentor - Die Leselernhelfer Hamburg e. V".

Damit die Bücherhallen immer am Puls der Zeit bleiben, werden jedes Jahr rund 380.000 Titel erneuert und die gleiche Anzahl nicht mehr zeitgemäßer Literatur wird aussortiert. Selbst ein 3-D-Drucker steht den Besuchern in der Zentralbibliothek zur Verfügung. Derzeit wird trotz des Sonntagsarbeitsverbots für die Mitarbeiter an der Realisierung der Sonntagsöffnung gearbeitet.

Strukturell und finanziell gerüstet

Die Zahl der Buchausleihen geht zwar zurück, die Nutzerzahl steigt aber stetig. Gründe hierfür sind das multimediale und digitale Angebot sowie die gestiegene Aufenthaltsqualität und die Funktion der Bibliotheken als Kulturorte mit Angeboten und Ferienprogrammen für Kinder und Jugendliche. Dass so viele Bürger gerne in die Bücherhallen gehen, ist auch der konsequenten Modernisierung und den Investitionen in die Bibliotheksräume zu verdanken. Die Stiftung erhält seit 2013 Mittel aus dem Sanierungsfonds 2020 und dem IT-Globalfonds, um die Zentralbibliothek und die Stadtteilbibliotheken als Kultur- und Begegnungsorte weiterzuentwickeln. So wurden der Stiftung für den Doppelhaushalt 2013/2014 insgesamt 2,61 Millionen Euro aus dem Sanierungsfonds Hamburg 2020 für die Bücherhallen zur Verfügung gestellt. Seit dem Doppelhaushalt 2017/2018 wurde die Zuwendung um 1,15 Millionen Euro und eine jährliche Zuwachsrate von 1,5 Prozent erhöht.

Autor: VHSt
Fotos: (c) Bücherhallen Hamburg

HBZ · 10/2019
 
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