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Biodiverse Stadtbäume
Unseren Bäumen geht es nicht gut
Sumpfeichen säumen große Teile der Mönckebergstraße
Bäume waren immer da. Als Kinder sammelten wir tütenweise Eicheln und Kastanien an den Straßen und Waldrändern und brachten sie zur Försterin, wie schon unsere Eltern.
Ab und zu gingen wir zur Obstwiese und holten uns einen Apfel, alles normal und alltäglich. Wald, Obstgärten und Bäume kamen uns unverwüstlich vor. Wir umarmten und bekletterten die Bäume, suchten sie als Schutz vor Regen auf, bewunderten die Blätterformen, die unterschiedlichen Rinden, den Stamm und das Blätterdach. Auf den Bäumen oder unten am Stamm bauten wir Baumhäuser. Baumwurzeln querten unseren Weg. In alten, knorrigen Bäumen erkannten wir Gesichter.
Bäume sind nicht nur schön. Sie liefern Sauerstoff, filtern Abgase und Feinstaub aus der Luft, verdunsten Wasser und kühlen damit die Umgebung, reduzieren Lärm und spenden Schatten. Sie bieten Tieren einen Lebensraum: Eichhörnchen, Fledermäuse, Vögel und Insekten leben von und in den Bäumen.
Prächtigen Rosseichen auf der Michelwiese (l.). Die Scheinakazie am Baumwall (r.)
Straßenbäume in Hamburg
Unser Hamburg ist eine grüne Stadt mit sehr vielen Bäumen, mehr als in anderen deutschen Großstädten. Hier gibt es ungefähr 240.000 Bäume mit 300 verschiedenen Baumarten. Die häufigsten sind Linden, Eichen, Ahorn, Hainbuchen und Platanen. Dazu gehören auch Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Walnussbäume. Die meisten Bäume stehen in Hamburgs Wäldern, viele auf privaten Grundstücken, eine Menge in Parks und Grünanlagen und nur etwas mehr als 20.000 an Straßen.
Die Klimaveränderungen machen den Bäumen in der Stadt zu schaffen. Heiße Sommer mit langen Trockenzeiten, Stürme im Frühjahr und Herbst mit starken Überschwemmungen bekommen ihnen nicht gut. Die Jahreszeiten verschieben sich, die Bäume verlieren ihre Widerstandskraft und werden anfälliger für Krankheiten.
Es bedarf großer Anstrengungen zum Wohlergehen der Bäume: Kronenpflege, Totholzentnahme, Fällung, Neupflanzung, Obstbaumschnitt, Windwurfbeseitigung, Entfernen von Eichenprozessionsspinner und Miniermotte gehören zur Bestandspflege dazu. Die Umweltbehörde plant, das Defizit der Nachpflanzungen auszugleichen. Auch die Aktion, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Stadtbäume vor dem Haus gießen, lohnt sich. Ein Straßenbaum braucht einen bis drei Eimer Wasser pro Woche - am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang langsam gießen und versickern lassen, empfehlen der NABU und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Besonders wichtig ist das Gießen bei jüngeren Bäumen, die noch nicht so viel Wurzelwerk entwickelt haben.
Müssen im Sommer gegossen werden: die Platanen der Allee der südlichen Neustadt
Loki-Schmidt Stiftung
Die Loki-Schmidt-Stiftung ist seit Jahrzehnten aktiv, um sogenannte Überlebensinseln für bedrohte Pflanzen und Tiere zu erwerben und zu pflegen. Das Ziel ist die Bewahrung der natürlichen Vielfalt. Mit der Aktion "Mein Baum - Meine Stadt" wirbt die Loki-Schmidt- Stiftung gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg für Spenden für Hamburger Straßenbäume. Dort werden die Spenden direkt für Pflanzungen genutzt und man kann sich sogar einen Wunschbaum aussuchen.
Klimaresiliente Bäume
Nur welche klimaresilienten Bäume sollen gepflanzt werden, damit sie auch noch Lebensraum für Insekten bieten? Ein Ginkgo wird dies eher nicht sein. Es wird schon vorgeschlagen, Baumarten aus dem Mittelmeerraum oder Asien zu bevorzugen. Die können dann die Trockenheit und Sommerhitze besser überstehen. Doch wohin verändert sich unser Klima und können unsere einheimischen Bäume sich vielleicht auch an veränderte Standortbedingungen anpassen? Für Wälder und Stadtwälder soll das Aufforsten eines hitzeresistenten und artenreichen Mischwaldes eine effiziente Maßnahme gegen absterbende Forste sein. Wenn sich Baumarten gegenseitig ergänzen, sind sie besser mit Nährstoffen und Wasser versorgt und besser vor Trockenheit und Schädlingen geschützt.
www.doris-wolf.de
Quellen: Baumpflanzaktion Mein Baum - Meine Stadt, hamburg.de; Mehr Geld für Straßenbäume, hamburg.de
Bildergalerie
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Autor: Doris Wolf
Fotos: Samira Aikas
HBZ · 07/2021
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