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Gelehrter, Philosoph und Universalgenie

Gottfried Wilhelm Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz um 1700, Porträt von Christoph Bernhard Francke (1660/1670-1729)
Gottfried Wilhelm Leibniz um 1700, Porträt von Christoph Bernhard Francke (1660/1670-1729)
Gottfried Wilhelm Leibniz war nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Denker, sondern vermutlich einer der vielseitigsten Gelehrten weltweit.

Neben seinen philosophischen Abhandlungen wirkte er in den Naturwissenschaften, der Politik, der Ökonomie, den neuen Technologien und vielen weiteren Bereichen.

Ein Wunderkind

Unter den Strukturen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde Gottfried Wilhelm Leibniz am 21. Juni 1646 im protestantischen Leipzig geboren. Sein Vater Friedrich war Notar und Professor für Ethik. Seine Mutter Catharina war die Tochter des Leipziger Rechtswissenschaftlers Wilhelm Schmuck. Als der Vater 1652 unerwartet früh starb, hinterließ er eine umfangreiche Bibliothek, zu der der junge Gottfried stetigen Zugang hatte. Nicht nur die vielen wissenschaftlichen Bücher prägten die grundlegende Bildung des späteren Universalgelehrten, sondern vor allem seine große Fähigkeit des autodidaktischen Lernens. Mit acht beherrschte er bereits die griechische und lateinische Sprache. Im Alter von 12 Jahren entwickelte er anhand logischer Fragestellungen erste Grundzüge einer Zeichensprache innerhalb der Mathematik.

Akademische Karriere

Mit 15 Jahren schloss er die Schule ab und besuchte die Universität Leipzig, wo er unter dem Theologen Johann Adam Schertzer und dem Humanisten Jakob Thomasius erste philosophische Studien betrieb. 1663 wechselte Leibniz zur Universität Jena, um sich dort mit Physik, Astronomie und Mathematik zu beschäftigen. Mit 19 veröffentlichte der junge Leibniz sein erstes literarisches Werk. Sein Buch De Arte Combinatoria behandelte die Kunst der Kombinatorik, einer Teildisziplin der Mathematik. Im Jahr 1666 promovierte er in Philosophie. Kurze Zeit später verwehrten ihm die Professoren an der Leipziger Universität die Doktorwürde in den Rechtswissenschaften, da sie Leibniz als zu jung erachteten. An der Aldorfina der Reichsstadt Nürnberg wurde ihm der Titel kurz darauf verliehen.

Berater und vielseitiger Forscher

Statt eine eigene Professur in Nürnberg zu übernehmen, trat Gottfried Wilhelm Leibniz 1672 in die Dienste des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Johann Philipp Schönborn. Mit Wohnsitz im Boyneburger Hof arbeitete Leibniz unter Hofrat Lasser und sollte eine Reformierung des römischen Reichrechtes vorantreiben. Trotz seiner lutherischen Konfession erfuhr sein ausgearbeitetes Reformwerk einer neuen Lehr- und Lernmethodik im juristischen Bereich eine große Resonanz in seinerzeit bedeutenden Kreisen, sodass Leibniz in den Rat des kurfürstlichen Oberrevisionsgerichtes aufgenommen wurde. Zeitgleich verfasste er Erörterungen zu physikalischen Grundlagen und zur Metaphysik. Sein umfassendes Denken vereinte alle Wissenschaften und weitete sich zu einem gigantischen Universalprojekt aus, das nicht nur den traditionellen theologischen Grundthesen des christlichen Glaubens zu einem philosophischen Beleg verhelfen sollte, sondern auch andere Sparten wie beispielsweise Politik und Wirtschaft umfasste.

Bibliothekar und Gelehrter des Adels

Leibniz zog es 1672 als Hofmeister Boyenburgs nach Paris. Kurze Zeit später präsentierte er in London seine fertiggestellte Rechenmaschine der vier Grundrechenarten mit Staffelwalze, die ihm eine Mitgliedschaft in der erlesenen Gelehrtengesellschaft der Royal Society und drei Jahre später in der Académie des Sciences sicherte. Durch die Reisen etwas in finanzielle Nöte gelangt, nahm Leibniz 1676 eine Anstellung als Bibliothekar bei den Welfen in der Residenzstadt Hannover an und wurde zwei Jahre später zum Hofrat mit engen Kontakten zum europäischen Adel. Obwohl das Aufgabenfeld des Gelehrten immer größer wurde und auch spezifische Bereiche wie die Erprobung neuer mechanischer Geräte beim Bergbau im Harz umfasste, sollte Leibniz im Wesentlichen die Geschichte des Welfenhauses dokumentieren. Ein Projekt, das er bis zu seinem Tode im Jahr 1716 nicht abschließen konnte.

Begründer neuer wissenschaftlicher Strukturen

Leibniz' Lebenswerk ist so umfassend, dass eine kurze Skizzierung schwierig erscheint. Seine philosophische Arbeit ist überschaubar und dennoch von großer Tragweite. Die Frage, warum es überhaupt etwas gibt und nicht nichts, war schon in der damaligen Epoche ungewöhnlich. Leibniz stellte die These auf, dass Gott zwar die Welt und ihre Naturgesetze geschaffen habe, doch danach die Menschheit hierfür die Verantwortung trage. Zur Unterstützung dieses großen philosophischen Argumentes seiner Epoche formulierte er seinen berühmten Satz von der "besten aller möglichen Welten".

Leibniz prägte die Wissenschaften durch den neuen Akademiegedanken und die Gründung vieler Institute in ganz Europa. Als letzter Universalgelehrter seiner Art und mit einer Betrachtungsweise der Wissenschaft als einheitliche Struktur bereitete er mit seinen Erkenntnissen den Weg für zahlreiche Entwicklungen. Beispiele hierfür sind die Begründung einer Sozialkasse für Witwen und Waisen oder der medizinischen Analyse durch regelmäßiges Fiebermessen. Durch seine Weiterentwicklungen des dualen Zahlensystems legte Gottfried Wilhelm Leibniz den Grundstein für das heutige digitale Zeitalter.

Foto: gemeinfrei via Wikimedia Commons aus der Sammlung des Herzog Anton Ulrich-Museums, Braunschweig

Quellen: Der berühmte Herr Leibniz: Eine Biographie, von Eike Christian Hirsch, München, Beck 2000; Leibniz-Gemeinschaft


Autor: VHSt

HBZ · 09/2021
 
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