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Optiker, Physiker und Astronom

Joseph von Fraunhofer


Joseph von Fraunhofer stellte sein ganzes Leben in den Dienst der Wissenschaft für einen praktischen Nutzen. So revolutionierte er Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur den optischen Instrumentenbau, sondern avancierte auch zum Vorbild späterer Forscher.

Bild oben: Heroisierendes Gemälde Rudolf Wimmers von 1897: Fraunhofer (Mitte) demonstriert das Spektroskop. Links: Joseph von Utzschneider, rechts: Georg Friedrich von Reichenbach, Foto: Gemeinfrei via Wikimedia Commons aus Essays in astronomy, D. Appleton & company, 1900

Waise mit herzoglichem Wohlwollen

Joseph Fraunhofer wurde 1787 als Sohn eines Glasermeisters in eine Großfamilie mit zehn Geschwistern in Straubing bei München geboren. Seine Eltern starben, als er 11 Jahre alt war. Sein bestellter Vormund gab ihn in die sechsjährige Lehre zum Spiegelschleifer nach München. Nach knapp drei Jahren stürzte das Haus seines Lehrherren ein und der Junge wurde verschüttet. Bei der Rettungsaktion waren auch Kurfürst Maximilian IV. und Joseph von Utzschneider anwesend. Der Kurfürst freute sich so, dass Fraunhofer lebend aus den Trümmern geborgen werden konnte, dass er dem Jungen 18 Golddukaten schenkte. Von Utzschneider, der dem Geheimen Rat angehörte, welcher dem Fürsten für wichtige Landesangelegenheiten unterstellt war, nahm Fraunhofer bei sich auf. Mit den Dukaten kaufte sich Fraunhofer von den noch ausstehenden Lehrjahren frei und erwarb eine Glasschneidemaschine. Unter der Obhut von Utzschneiders besuchte er die Feiertagsschule in München - einen Vorgänger der heutigen Berufsschule - und hatte freien Zugang zu einschlägiger Fachliteratur.

Experimente und bahnbrechender Fortschritt

Nach der schulischen Ausbildung verschaffte von Utzschneider 1806 Fraunhofer eine Anstellung als Optiker beim Mathematisch-Feinmechanischen Institut in München, an dem von Utzschneider beteiligt war. Das Institut war der europaweit führende Herstellungsort für optische Präzisionsinstrumente. Ein Jahr später wurden die Fertigungs- und Betriebsstätten in die oberbayerische Gemeinde Benediktbeuern verlegt. Die seinerzeit weltweit erste Hütte zur Herstellung von optischen Gläsern unterstand zunächst dem Schweizer Pierre-Louis Guinand, der Joseph Fraunhofer mit viel Fachwissen anleitete, bevor dieser selbst im Jahr 1811 die Leitung des Betriebes übernahm.

Mit etlichen Experimenten und Weiterentwicklungen gelangen Fraunhofer entscheidende Verbesserungen. Durch neuartige Schleifmaschinen und die Verwendung besonderen Glases konnte er die qualitative Abbildung im Linsenbereich auf ein signifikant höheres Niveau steigern. Das Optische Institut, wie es nun hieß, wurde ein selbstständiger Betrieb mit Joseph von Utzschneider und Joseph Fraunhofer als gleichberechtigte Partner. Fraunhofers Enthusiasmus galt besonders der astronomischen Optik. Er verbesserte die optischen Abbildungsfunktionen des 1792 in England erfundenen Achromates, indem er die beiden verwendeten Linsen mit einem Luftspalt hintereinandersetzte. Die daraus resultierenden Fraunhofer-Achromaten werden noch heute in der Amateurastronomie verwendet. Bahnbrechend war auch Fraunhofers Nachweis von Absorptionslinien im Lichtspektrum der Sonne. Diese heute als Fraunhofer'schen Linien bezeichnete Entdeckung ermöglichte nachfolgenden Wissenschaftlern Durchbrüche in der optischen Grundlagenforschung.

Entscheidendes Wirken und Anerkennung

Im Jahr 1814 erfand Fraunhofer das Spektroskop, mit dessen Hilfe das Licht in sein Spektrum zerlegt werden konnte. Er begann als Erster mit der experimentellen Beugung von Licht an periodischen Strukturen - den optischen Gittern -, was nachfolgende Generationen als Fraunhofer'sche Beugung bezeichneten. Durch Fraunhofers Wissen und Wirken steigerten sich Messgenauigkeit und Glasqualität. Selbst die Montierung der Objektive und Fernrohre überließ er nicht dem Zufall und entwickelte hierfür ein eigenständiges System, das bis heute unter der Bezeichnung "deutscher Montierungstyp" Standard ist.

Das größte Fernrohr Fraunhofers, der Refraktor für die Sternwarte Tartu in Estland, entstand im Jahr 1824. Fraunhofer, der inzwischen auch Ehrendoktor und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war, wurde im Jahr 1824 zum Ritter der bayerischen Krone geschlagen. Als Ehrenbürger der Stadt München starb er 1826 an den Folgen der Lungentuberkulose. Die 1949 gegründete Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. wählte den Forscher, Erfinder und Unternehmer als Namenspatron.

Quellen: Fraunhofer-Gesellschaft; Joseph von Fraunhofer: Optiker, Erfinder, Pionier, Autor: Carl R. Preyss, Stöppel-Verlag, 1989; museum-optischer-instrumente.de; Kurzer Umriss der Lebens-Geschichte des Herrn Dr. Joseph von Fraunhofer etc., Polytechnisches Journal, 1826, Bd. 21, Nr. XXXII

Bild: Gemeinfrei via Wikimedia Commons aus Essays in astronomy, D. Appleton & company, 1900

Autor: VHSt

HBZ · 11/2021
 
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