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Hamburger Geschichtswerkstätten

Willi-Bredel-Gesellschaft - Geschichtswerkstatt e. V.


Die Willi-Bredel-Gesellschaft ist Geschichtswerkstatt und Stadtteilarchiv Fuhlsbüttels und seiner Nachbarstadtteile.

Bild oben: Hans-Kai Möller, Mitbegründer der Willi-Bredel- Gesellschaft, Holger Tilicki, 2. Vorsitzender, und Uwe Leps, Mitglied der Arbeitsgruppe Zwangsarbeit

Schwerpunkte ihrer Aktivitäten sind die kritische Aufarbeitung der Stadtteilgeschichte in Hamburgs Norden sowie die Forschung zu Leben und Werk von Willi Bredel.

Der Geschichtswerkstatt gehören die letzten noch weitgehend im Originalzustand erhaltenen Zwangsarbeiterbaracken Norddeutschlands in unmittelbarer Flughafennähe. Dort betreibt sie das Informationszentrum Zwangsarbeit mit fünf Dauerausstellungen.

Gründung der Geschichtswerkstatt

Als das Torhaus des ehemaligen Konzentrationslagers Fuhlsbüttel ("Kolafu"), der heutigen Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, abgerissen werden sollte, bildete sich eine Bürgerinitiative, die gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt den Ort in eine Gedenkstätte umwandelte. Aus ihr heraus gründete sich 1988 die Willi-Bredel-Gesellschaft, benannt nach dem bekanntesten ehemaligen KZ-Häftling. Sie wählte das Torhaus als Vereinslogo.

Willi-Bredel-Gesellschaft-Geschichtswerkstatt e. V.

Büro und Archiv:
Ratsmühlendamm 24
Telefon: (040) 59 11 07
willi-bredel-gesellschaft@t-online.de
www.bredelgesellschaft.de

Öffnungszeiten:
Dienstag, 15-18 Uhr sowie nach Vereinbarung

Informationszentrum:
Wilhelm-Raabe-Weg 23

Öffnungszeiten:
Jeden 1. Sonntag im Monat, 14 - 17 Uhr sowie an den Tagen des offenen Denkmals und der Geschichtswerkstätten


Niederländische Zwangsarbeiter 1944 auf einem LKW-Anhänger im Lager Wilhelm-Raabe-Weg
Niederländische Zwangsarbeiter 1944 auf einem LKW-Anhänger im Lager Wilhelm-Raabe-Weg

Willi Bredel und "Die Prüfung”

Willi Bredel (1901-1964) stammte aus einer Hamburger Arbeiterfamilie, war gelernter Dreher und Mitglied der Kommunistischen Partei. Im Zusammenhang mit dem Hamburger Aufstand 1923 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung begann er journalistisch zu arbeiten und wurde wegen "Vorbereitung literarischen Hoch- und Landesverrats" 1930 abermals zwei Jahre inhaftiert. In dieser Zeit schrieb er seine ersten Romane. Bredel wurde nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 als einer der ersten Häftlinge ins KZ Fuhlsbüttel eingewiesen. Nach seiner Flucht ins Exil verfasste er mehrere literarische Werke, darunter das international erfolgreiche Buch Die Prüfung, in dem er über seine KZ-Erfahrungen berichtete. Bredel kehrte 1945 nach Deutschland zurück. Er lebte als Schriftsteller und Kulturpolitiker in Schwerin und Ost-Berlin.

Aktive Geschichtswerkstatt

Die Willi-Bredel-Gesellschaft - Geschichtswerkstatt e. V. veröffentlicht jährlich ein Geschichtsmagazin (Rundbrief) und mehrere Publikationen. Zeitzeugenberichte, Lesungen, Filmvorführungen, Friedhofsrundgänge sowie verschiedene Themenrundgänge durch Fuhlsbüttel, Klein Borstel, Alsterdorf und Ohlsdorf gehören zu den regelmäßigen Aktivitäten. Historiker und andere Interessierte werden im Fotoarchiv und in der Bibliothek im Vereinsbüro fündig.

Die Geschichtswerkstatt engagiert sich für die Verlegung von Stolpersteinen, die Umbenennung von Straßen, deren Namensgeber eine koloniale oder NS-Vergangenheit haben, sowie die Erhaltung von historisch bedeutsamen Gebäuden in den von ihr betreuten Stadtteilen.

Dauerausstellung zu den Lebensbedingungen in den Zwangsarbeiterbaracken
Dauerausstellung zu den Lebensbedingungen in den Zwangsarbeiterbaracken

Hamburgs Zwangsarbeitsvergangenheit

Einer der größten Erfolge der Willi-Bredel-Gesellschaft ist die mit dem Ortsamt Fuhlsbüttel und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme 1998 gelungene Rettung der letzten beiden erhaltenen Zwangsarbeiterbaracken in Norddeutschland vor dem Abriss. Die mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Baracken gehören seitdem der Geschichtswerkstatt. Mit Geldern aus dem Quartiersfonds und der Stiftung Denkmalpflege konnte eine umfangreiche Sanierung und Restaurierung im Herbst 2021 abgeschlossen werden.

Besucher können nun wieder nachempfinden, unter welchen Bedingungen die 144 dort untergebrachten Zwangsarbeiter leben mussten. Die Gartenbaufirma Kowahl & Bruns errichtete 1943 die ursprünglich vier Baracken. Die Zwangsarbeiter - in der Mehrzahl Niederländer - wurden bei der Firma C.H.F. Müller, genannt "Röntgenmüller" (heute: Philips) in der Rüstungsproduktion oder bei der Tarnung des Flughafens eingesetzt. Eine Dauerausstellung schildert den Leidensweg der polnischen Jüdin aus dem KZ Sasel Matla Rozenberg, die für Kowahl & Bruns auf dem Heiligengeistfeld Trümmer beseitigen musste.

Fotos: © Willi-Bredel-Gesellschaft - Geschichtswerkstatt e. V., Lebensbedingungen im Lager: Fotograf Uwe Leps; Niederländische Zwangsarbeiter 1943: Fotograf Piet Christiaans

Autor: VHSt

HBZ · 01/2022
 
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