Titelfoto: © foto-select - stock.adobe.com
Hamburgische Zeitschrift für den öffentlichen Dienst
Profitieren Sie von der Mitgliedschaft im VHSt.
Einfach ausdrucken und ausgefüllt an uns senden.

Hamburger Geschichtswerkstätten
Galerie Morgenland - Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Die Eimsbüttler Chaussee um 1905 als Postkartenmotiv, Foto: (c) Archiv der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Der dicht besiedelte Stadtteil Eimsbüttel kann auf eine reichhaltige Historie zurückblicken. Diese zu bewahren, Zeitzeugenberichte zu dokumentieren sowie Fotos und Broschüren zu sammeln, ist Teilaufgabe der Geschichtswerkstatt.
Die durch einen gemeinnützigen Verein getragene Institution bietet Veranstaltungen und Klönschnack-Treffen an und organisiert Stadtteilrundgänge, Ausstellungen und Publikationen über den Stadtteil.
Ein vielfältiger Stadtteil entsteht
Bedenkt man, dass Eimsbüttel im Jahr 1275 noch ein winziges Dorf vor den Toren Hamburgs war, so hat sich bis heute einiges getan. Noch im 16. Jahrhundert dominierten drei Bauernhöfe das beschauliche Landleben. Ein Kloster sorgte für den göttlichen Beistand und begann zu dieser Zeit mit dem Betrieb einer Schäferei, woraus sich später der Name Schäferkamp ableitete, der sich heute in zwei Straßenzügen beim Schlump wiederfindet. Erst über 100 Jahre danach zog es die ersten vornehmen Hamburger Bürgerfamilien hinaus in die dörfliche Idylle, wo sie sich prächtige Landhäuser erbauen ließen. Einige dieser Familiennamen wie Lutteroth, Doormann, Faber oder Lappenberg zieren Straßenschilder im Stadtteil.
Die Industrialisierung im Kaiserreich ließ Hamburg und das nun zum großstädtischen Vorort deklarierte Dorf entlang der Achse Eimsbütteler Chaussee, Fruchtallee und Eimsbütteler Marktplatz wachsen. 1894 wurde Eimsbüttel zum Hamburger Stadtteil, in dem großflächig Mietshäuser erbaut wurden, um viele Bewohner der Altstadt und nach Hamburg Eingewanderte aufzunehmen. Die erste Anbindung an das Hamburger U-Bahn-Netz erfolgte im Jahr 1914. Im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der Bebauung aus der Gründerzeit durch Luftangriffe der Alliierten zerstört. So zeigt der Stadtteil heute ein durchaus buntes Gesicht mit Gebäuden vieler Epochen.
Trotz der Gebietsabtretungen an den im Jahr 2008 neu geschaffenen Stadtteil Sternschanze ist Eimsbüttel besonders bei jungen Menschen beliebt und heute ein Stadtteil, der besonders von Gentrifizierung betroffen ist.
GWE-Stadtteilrundgang 'Neu-Eimsbüttel wird gebaut': Wohnungsbau der Nachkriegszeit zwischen Doormannsweg und Eimsbütteler Marktplatz, Foto: GWE (c) Andrea Orth
Die Geschichtswerkstatt im Morgenland e. V.
Seit 1980 engagieren sich Stadteilbewohnerinnen und -bewohner im gemeinnützigen Verein Morgenland. Dort entstand auch Anfang der 1980er-Jahre eine Geschichtsgruppe, die eine erste Ausstellung namens "Kennen Sie Eimsbüttel?" veranstaltete. Die komplexe Entwicklung des Stadtteils ist im Archiv ersichtlich. Hierzu gehört eine Bibliothek, in der beispielsweise auch die in den 1950er-Jahren erschienenen Broschüren und Festschriften des Bezirksamtes Eimsbüttel oder selbst erarbeitete Dokumentationen von Zeitzeugen zusammengefasst sind.
Die zahlreichen Sammlungen geben einen wertvollen Eindruck über bedeutsame Ereignisse, wie die Eröffnung des Hamburg-Hauses im Jahr 1965, über die Kunst am Bau, Analysen oder Berichte zur Eimsbütteler Bücherhalle. Ergänzt werden die historischen Aufzeichnungen durch eine umfangreiche Fotosammlung und sonstige ergänzende Unterlagen zur Geschichte des Stadtteils.
Roter Stadtteil unter dem Hakenkreuz
Eines der wichtigsten Themen der Geschichtswerkstatt ist die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus, den Auswirkungen von Faschismus, Verfolgung und Krieg sowie dem daraus resultierenden Widerstand. Eine klare Positionierung und konkrete Nachforschungen für den schon immer eher als "rot" geltenden Stadtteil hatten hierbei schon in der jüngeren Vergangenheit eine hohe Priorität. Anhand konkreter Zusammenfassungen geht es dabei um die Geschichte des jüdischen Lebens in Eimsbüttel, die antisemitischen und faschistischen Bewegungen, aber auch um die Biografien von Zeitzeugen oder die mutigen Menschen des Widerstands. Zu diesem einschneidenden historischen Thema sind bereits einige Dokumentationen und Buchveröffentlichungen entstanden. Heute ist die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel ein generationsübergreifender Treffpunkt, in dem zudem wechselnde Kunstausstellungen die engagierte Stadtteilarbeit abrunden.
Bildergalerie
Zum Vergrößern Bild anklicken.
Autor: Samira Aikas
Fotos: Historische Postkarte (c) Archiv der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, alle weiteren Fotos: GWE (c) Andrea Orth
HBZ · 04/2022
Weitere Meldungen:
Hamburg bereitet sich auf neue Krisen vor
Hamburg will resilienter werden und bereitet sich auf Krisen und Krieg vor - vor allem die Unternehmen der öffentlichen Daseinsfürsorge sind involviert. Doch keiner der wenig...
HBZ · 1/2026
Editorial
Liebe Mitglieder des VHSt, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, Sie hatten schöne Feiertage und einen angenehmen Jahreswechsel. Ich gestehe, dass ich mit ambivalenten Ge...
HBZ · 1/2026
Das Hamburg-Rätsel
Liebe Leserin und lieber Leser, mit unserem Hamburg-Rätsel können Sie testen, wie gut Sie Hamburg kennen....
HBZ · 1/2026
Das Hamburg-Rätsel
Liebe Leserin und lieber Leser, mit unserem Hamburg-Rätsel können Sie testen, wie gut Sie Hamburg kenn...
HBZ · 10/2025
Aufgeblättert: Buchtipp
Wer heute über Hamburgs Edel-Shoppingmeile Neuer Wall flaniert, erfreut sich an den schillernden Fassaden und Luxusartikeln in den Auslagen. Dass sich in dieser w...
HBZ · 10/2025
Geschichten aus Hamburgs Geschichte
Abelke Bleken wurde Ende des 16. Jahrhunderts in Ochsenwerder als "Hexe" verbrannt...
HBZ · 10/2025